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ANSCHRIFTEN

Kirche St. Paulus   Billstedt ÷jendorfer Weg 10     22111 Hamburg    www.sankt-paulus-billstedt.de/
PfarrbŁro:   Fr. Heidi Kondzorra     Telefon: 040 - 731  38 35
÷ffnungszeiten BŁro:    Dienstag, Mittwoch,  Freitag     von 08.30 bis 13.00 Uhr

Kath. Schule St. Paulus
Ų
jendorfer Weg 12
22111 Hamburg
Telefon: 731 32 62

Kindertagesheim St. Paulus (Kita)
Ų
jendorfer Weg 4
22111 Hamburg
Telefon: 733 02 53

Kath. M√dchensozialarbeit
BŁro im  Gemeindehaus
Ųjendorfer Weg 10 a
22111 Hamburg
Telefon: 732 49  84



 

Kirche St. Stephanus

MŁmmelmannsberg
Oskar- Schlemmer StraŖe 6 a
22115 Hamburg

Kindertagesstštte St.  Stephanus
Oskar- Schlemmer Str. 6 a
22115 Hamburg

Leiterin:
Fr. Katrin Reggentin
Tel.: 040 - 715 37 64
Fax: 040 - 71007812

 

aESCHICHTE DER  GEMEINDE ST. PAULUS

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts, zwischen Geesthang und Bille, ungef√§hr dort  wo heute die Bergedorfer Stra√üe in H√∂he der Kreuzkirche verl√§uft,  entstand in Schiffbek eine Fabrik, welche dem angestiegenen Jutebedarf  im stark expandierenden Hamburger Hafen begegnen sollte:
die  ‚ā¨ŇĺNorddeutsche Jute- Spinnerei und Weberei, bald im Volksmund einfach  als die Jute bekannt.

Gemeinsam mit der wachsenden  Industrie-Ansiedlung stieg auch der Bedarf an billigen Arbeitskr√§ften,  der am Ort bei weitem nicht gedeckt werden konnte. So kam es, dass bald  zu der von der Jute angeworbenen Arbeiterschaft auch rund 30 katholische Familien z√§hlten, die im Jahr 1885 aus dem deutschsprachigen Teil  B√∂hmens und 1886 bis 1889 aus den katholischen Ostgebieten Preu√üens  zugezogen waren. Die Gruppe der zugezogenen Katholiken wuchs stetig,  denn nach und nach, vom h√∂heren Lohn angelockt, kamen immer weitere  Arbeiterfamilien, gr√∂√ütenteils aus katholischen Ostl√§ndern wie Polen,  Schlesien, B√∂hmen und Ungarn, um sich in der Diaspora Schiffbeks  niederzulassen.

Im Jahre 1862 hatte der verstorbene Arzt Dr.  Julius der Hamburger katholischen Gemeinde einen betr√§chtlichen Teil  seines Verm√∂gens hinterlassen. Nach den Bestimmungen des Verm√§chtnisses  sollten die Zinsen dieses Kapitals dazu dienen, die Ortschaften der  Hamburger Umgebung zu missionieren. So kam es, dass der Missionsvikar  Brink im Jahr 1885 in Wandsbek eine katholische Missionsgemeinde gr√ľnden konnte. Durch bisch√∂fliche Verordnung desselben Jahres wurden die in  Schiffbek wohnenden Katholiken ihr zugeteilt, obwohl diese f√ľr die  Erf√ľllung ihrer religi√∂sen Pflichten bis zur Kirche eine gute Wegstunde  ben√∂tigten.

Gro√üe Sorgen bereitete der Pfarrei in Wandsbek der  Religionsunterricht, denn trotz der gesetzlich vorgeschriebenen vier  Stunden, konnte in Schiffbek w√∂chentlich nur eine Stunde erteilt werden. Pastor Brink erkannte, dass auf Dauer nur die Einrichtung einer  √∂ffentlichen katholischen Volksschule die Missst√§nde beseitigen konnte.  Gemeinsam mit der Schule sollte auch eine Kapelle errichtet werden, da  bei schlechtem Wetter den Gl√§ubigen der weite Weg nach Wandsbek nicht  zuzumuten sei, wie er dem Bischof Dr. Bernard H√§ting mitteilte.

In Verfolgung beider Ziele erwarb er in Namen des Bischofs f√ľr 9.400 Mark  ein geeignetes Grundst√ľck. Der Kaufvertrag mit Herrn Heinrich Wulff,  Anbauer in Havighorst √ľber das 30 h und 87 qm gro√üe Grundst√ľck an der  M√∂llner Landstra√üe, Ecke Heinrichstra√üe - der heutige Hertelstieg - kam  am 7. August 1893 zustande und wurde am 1. Oktober des gleichen Jahres  beim Reinbeker Amtsgericht eingetragen.

Am 23. Juli 1894 erfolgte die Grundsteinlegung zu einer Kapelle mit Wohn- und Unterrichtstrakt,  die noch im selben Jahr fertiggestellt werden konnte. Am 2. Februar 1895 erhielt Pastor Brink die bisch√∂fliche Vollmacht, die Feier des  Gottesdienstes in Schiffbek mit der Benediction der Kapelle zu er√∂ffnen. Seinem Wunsch entsprechend sollte sie dem heiligen Apostel Paulus  geweiht und unter seinen Schutz gestellt werden. Am gleichen Tag wurde  vom Bischof in einem besonderen Schreiben auch die Vollmacht erteilt,  das allerheiligste Sakrament unter Ber√ľcksichtigung der allgemeinen  Vorschriften dort aufzubewahren. Weiterhin erweiterte der Bischof im  Juli 1895 die liturgischen Rechte. Die Kirchenb√ľcher f√ľr Schiffbek  wurden jedoch noch bis Ende 1905 in Wandsbek gef√ľhrt. Aber Schiffbek  hatte vom Februar 1895 an eine eigene Kapelle, in der jeden Sonntag und  Donnerstag ein Geistlicher aus Wandsbek die heilige Messe feiern konnte. Das Allerheiligste blieb st√§ndig im Tabernakel.

Mit Kaplan  Richard kam 1901 erstmalig ein eigener Geistlicher nach Schiffbek. Im  Jahr 1905 folgte ihm Kaplan Woltermann und 1907 Kaplan Tegeder. Die  stetig wachsende Zahl der Gl√§ubigen f√ľhrte dann dazu, dass Schiffbek mit Wirkung vom 1. April 1911 zur vollberechtigten Pfarrgemeinde erkl√§rt  wurde. Erster Pfarrer und bedeutender Organisator unserer Gemeinde wurde Pfarrer Hermann Jansen. Er war von April 1911 bis November 1922  Schiffbeks Pastor und bem√ľhte sich hier besonders um den Ausbau einer  lebensf√§higen Pfarrgemeinde. F√ľr sein priesterliches Wirken bot sich ein arbeitsreiches Feld, denn seine Pfarrei umfasste eine Fl√§che von etwa  500 qkm. Ein t√§glicher Gottesdienst konnte nur in Ahrensburg - in einer  dort neuerrichteten Missionsstation, gehalten werden, denn zeitlich  waren die Wege nach Schiffbek und zur√ľck einfach nicht zu schaffen.

Bis 1914 war die Zahl der Katholiken in Schiffbek auf ca. 5.000  angewachsen, und so wurden Pfarrer Jansen zun√§chst Kaplan Rickermann,  der aus Wandsbek zur Hilfe kam, und ab 1915 Vikar Schnieders (der ab  1923 Pfarrer in Schiffbek werden sollte) zur Seite gestellt.

Aufgrund der stark anwachsenden Gl√§ubigerzahl erwies sich die kleine Schiffbeker Kapelle immer mehr als unzul√§nglich, denn sie konnte h√§ufig nicht alle  Gottesdienstbesucher fassen, obwohl dort an jeden Sonntag drei heiligen  Messen abgehalten wurden. Deshalb verfolgte Pfarrer mit Unterst√ľtzung  des Bischofs Hubertus Vo√ü von Anfang an den Plan eines eigenen  Kirchenbaus.

Der Standort der zu errichtenden Kirche wurde unter  Ber√ľcksichtigung des allgemeinen Bebauungsplans und mit prophetisch in  die Zukunft gerichtetem Blick ausgew√§hlt. Zum 1. Oktober 1912 erwarb die katholische Gemeinde das Bahrsche Grundst√ľck am √–jendorfer Weg (wo  heute unsere Kirche steht). Die Finanzierung des Baupreises von 50.000  Mark erfolgte haupts√§chlich durch Zuwendungen des Bonifatiusvereins und  durch einen zinslosen Kredit √ľber 30.000 Mark von der Kirchengemeinde  Osterkappeln. Die Verpachtung des Grundst√ľckes in 63 Parzellen sollte  dazu beitragen, das n√∂tige Baugeld aufzubringen. Der Erste Weltkrieg und dessen Folgen verhinderte jedoch die unmittelbare Fortf√ľhrung des  Kirchenbauplanes. Es mussten noch weitere f√ľnfzehn Jahre vergehen, bis  die Pl√§ne in die Tat umgesetzt werden konnten.

Am 1. M√§rz 1923  wurde Herrn Pastor Johannes Schnieders die Kirchengemeinde √ľbertragen,  in der er schon seit 8 Jahre als Vikar t√§tig war, und ab 1. April 1923  stand ihm zur Seite Vikar Heinrich M. Schulte, der sp√§ter im 1938 als  Pfarrer sein Nachfolger werden sollte.

Die Billstedter Kirche  von Sankt Paulus entsteht:

Die wachsende innere Kraft der  katholischen Gemeinde Billstedt, die noch bis zu diesem Jahr  Pfarrgemeinde Schiffbek hie√ü, fand endlich seine gro√üe Best√§tigung im  1929, mit dem Bau der seit langem herbeigesehnten Kirche, denn Pfarrer  Schnieders, mit seinem starken Glauben an die Vorsehung und mit seiner  unb√§ndigen F√ľhrungskraft, hatte den dazu gefasste Entschluss endlich in  die Realisationsphase einleiten k√∂nnen. Nach nur acht Monaten Bauzeit  war die St. Paulus Kirche vollendet und am 24. November des Jahres 1929  konnte sie geweiht werden.

Die im Bauhaus-Stil neuerbaute  ger√§umige Kirche muss - nach der Enge der alten Kapelle, wie eine  Erl√∂√∂√∂sung auf die Gl√§ubigerseelen gewirkt haben. Der Neubau umfasste  au√üer Kirchk√∂rper und Glockenturm auch Sakristeifl√ľgel mit Pfarrhaus,  Versammlungsr√§ume und Schwesternhaus. Auch diese kirchlichen Nebenbauten zeichneten sich durch gestalterische Klarheit aus und dokumentieren  heute ein St√ľck der Bauhauszeit; auch st√§dtebaulich gilt dieses fr√ľhe  Gemeindezentrum sicherlich als einer der wenigen Marksteine in  Billstedt.

Noch fehlte f√ľr die musikalische Untermalung der  kirchlichen Feiern ein richtiges Instrument, denn dazu hatte das enge  Baubudget nicht gereicht. Doch gegen Ende des Jahres 1932 schenkte die  Muttergemeinde Wandsbek ihre alte Orgel der Tochter St. Paulus. In  wochenlanger Arbeit konnte diese Orgel unter Anleitung eines Fachmannes  aus Osnabr√ľck renoviert und aufgebaut werden. Am 1. M√§rz 1933 konnte das erneuerte Instrument der Gemeinde √ľbergeben werden und ihr Klang  erf√ľllte √ľber 30 Jahre lang - bis zum Herbst 1964, unsere Kirche.

Die NS-Zeit und der Zweite Weltkrieg:

Das schmucklose Innere der Kirche wandelte sich im Laufe der Jahre. Eine Kommunionbank wurde  eingebaut und 1933 die Marienstatue aufgestellt. Sie war eigens f√ľr  unsere Kirche von dem Bildhauer C. Walter in M√ľnchen erschaffen worden.  Bald folgten die Figuren des Bruders Konrad und Hl. Antonius. Der  Chorraum, bisher nur mit einem schlichten Kreuz geschm√ľckt, wurde  ausgemalt. Eine farbige Christk√∂nigsfigur blickte ab 1937 auf die  Gemeinde.

Ein besonderes Anliegen des Pfarrers Schnieders war es, die Kirche mit gro√üen Glocken auszustatten. Gewarnt durch die  Geschehnisse im Ersten Weltkrieg - alle Bronzeglocken waren damals  beschlagnahmt und eingeschmolzen worden¬  und vor Augen die  kriegshetzerische Entwicklung unter dem NS-Regime, wurden im Fr√ľhjahr  1938 beim Bochumer Glockenbauverein drei Glocken in Stahl gekauft, die  dann am 26. Juni 1938 geweiht werden konnten. Zu Maria Himmelfahrt  l√§uteten die Glocken zum ersten Mal.

Aufgrund seiner  parteifeindlichen Position bereits verfolgt, bestand es berechtigte  Besorgnis um die Freiheit des Pfarrers. Bevor die Gestapo in Hamburg  eingreifen konnte, wurde Pastor Johannes Schnieders durch Bischof  Wilhelm Berning nach Hasel√ľnne ins Emsland versetzt. Am 30. November  1938 verlie√ü er seine Gemeinde. Zum Abschiedsgottesdienst war die Kirche √ľberf√ľllt. Der Aufbau der Gemeinde St. Paulus samt Kirche war sein  Lebenswerk und er konnte die Trennung von Billstedt nur schwer  verwinden. Nur knapp 4 Jahre wirkte er an der St. Vincent Gemeinde in  Hasel√ľnne. Er verstarb dort am 30. Juli 1942 im Alter von 54 Jahren.

F√ľr die Katholiken Billstedts war es eine gl√ľckliche F√ľgung des Bischofs,  dem von 1923 bis 1930 in Schiffbek t√§tigen Vikar Heinrich Schulte die  Pfarrei St. Paulus zu √ľbertragen. Ebenso wie Schnieders unerschrocken in seiner Haltung gegen√ľber den Nationalsozialisten, f√ľ√ľhrte er die  Gemeindearbeit nahtlos weiter.

Dann brach der Zweite Weltkrieg  herein. Die Thadd√§us-Kapelle - der heutige Standort des Taufbeckens -  wurde zur Gedenkst√§tte umgestaltet, mit einem kleinen Kreuz f√ľr jeden  Gefallenen.

In den ersten Kriegsjahren blieb Billstedt von gro√üen Luftangriffen verschont. Es gab hier und da kleinere Sch√§den.  Menschenopfer waren aber noch nicht zu beklagen. Auch an der Kirche ging der Bombenkrieg bis zum Jahre 1943 vor√ľber. Das kostbare Altarger√§t und die wertvollen Paramente waren schon Anfang des Krieges nach Hoisdorf  ausgelagert worden. Am 28. Juli 1943 erlitt die Kirche schwere  Bombensch√§den. Die Umgebung der Kirche fiel in Schutt und Asche, doch  die Kirche stand. Der Gemeindesaal wurde schwer getroffen. Von dort  untergebrachten NS- Zwangsarbeitern wurden zw√∂lf get√∂tet. Die  offiziellen Stellen genehmigten keine w√ľrdige Bestattung. Doch Pfarrer  Schulte beerdigte die Opfer auf dem Pfarrgel√§nde. Erst nach dem Krieg  konnten die Toten auf den Friedhof √–jendorf umgebettet werden.

Und weiter fielen die Bomben. In der Nacht vom 29. auf dem 30. Juli fiel  auch das Schulgeb√§ude in der Heinrichstra√üe einem Angriff zum Opfer.  Unersetzliche Werke gingen verloren, unter anderem verbrannten die  Schulchronik, heimatkundliche Aufzeichnungen, Dokumente und  Bildmaterial.

Wenn auch das Ausma√ü der Zerst√∂rungen und die Zahl  der Opfer des Bombenterrors in Billstedt nicht so gro√ü waren wie in  anderen Hamburger Stadtteilen, so wurden doch viele Gemeindemitglieder  obdachlos. Einige Familien konnten im Pfarrhaus Unterschlupf finden. Sie wohnten dort noch lange nach dem Krieg. Viele Billstedter wurden  evakuiert. Die Zur√ľckgebliebenen r√ľckten noch enger zusammen. Die  schwersten Sch√§den an der Kirche wurden in Eigenhilfe beseitigt, damit  wieder die heilige Messe gefeiert werden konnte. Die Sonntagsmessen  waren gut besucht, auch wenn die Gl√§ubigen h√§ufig bei Fliegeralarm  w√§hrend der Messe den nahen Bunker (dort steht jetzt das EKZ) aufsuchen  mussten. So konnte sich manchmal die Feier der heiligen Messe √ľber viele Stunden erstrecken.

Am 1. Oktober 1944 wurde die Kirche wieder  durch Sprengbomben stark besch√§digt. Das Dach verschob sich, T√ľren und  Fenster wurden aus der Verankerung gerissen; in den W√§nden entstanden  durch Sprengst√ľcke klaffende L√∂cher. Noch lange nach dem Kriege waren  die Spuren der Zerst√∂rungen zu erkennen.

In den letzten  Kriegsmonaten kam das Gemeindeleben fast zum Erliegen. Selbst Kinder und Greise hatten den Ruf zu den Waffen erhalten. Trotz Behinderung durch  viele Fliegeralarme wurden Werktags und Sonntagsmessen abgehalten.  Hamburg war zur Frontstadt geworden, einem Sammelbecken f√ľr  zur√ľckflutende Soldaten, f√ľr Fl√ľchtlinge aus dem Osten und f√ľr obdachlos gewordene NS-Zwangsarbeiter.

In seinen Aufzeichnungen schreibt  Pfarrer Schulte:
Heute am Sonntag, dem 22. April 1945, am Schutzfest des heiligen Josef vor 22 Jahren, feierte ich meinen ersten  Sonntagsgottesdienst als Vikar von Schiffbek in der alten Kirche. Nach  12 Jahren √ľbertrug heute der Deutschlandsender wieder einen  Gottesdienst. Ja, in der Not lernt sogar der Teufel beten.

Der  sehr gut besuchte Gottesdienst zu Ostern 1945 konnte ohne St√∂rungen  durch Luftangriffe gefeiert werden. Das Gebet der Gl√§ubigen begleitete  jedoch das Gedr√∂hn eines Trommelfeuers aus der Gegend von Lauenburg bei  den K√§mpfen um den Elb√ľbergang. Das Ger√ľcht um die Kapitulation Hamburgs hatte sich bewahrheitet. Die Stadt wurde, dank der Einsichtigkeit der  verantwortlichen F√ľhrung, nicht zur Festung erkl√§rt. Am 3. Mai 1945 war  ab 13.00 Uhr Ausgangssperre, es herrschte Totenstille und es regte sich  kein Leben. Die Engl√§nder r√ľckten in Hamburg ein. Abends wurde mit der  Hausgemeinschaft und mit Nachbarn, die √ľber Schleichwege in die Kirche  kamen, die Herz-Jesu Andacht gefeiert. Der schreckliche Krieg war hier  vor√ľber.

Am Himmelfahrtstag, dem 10. Mai 1945, herrschte  festliche Stimmung in der √ľberf√ľllten Kirche und das erste  Fronleichnamsfest nach dem Krieg, am 3. Juni 1945, war ein Bekenntnis  der Glaubenstreue der Billstedter, die auch unter den Nazis nie ihre  Treue zur Kirche verleugneten.

Wiederaufbau und  Wirtschaftswunder:

Im Mai 1945 konnten die Glocken unserer  St. Paulus-Kirche endlich das Ende des Krieges verk√ľnden. Unsagbares  Leid war √ľber alle V√∂lker nicht nur Europas gekommen und auch in  Billstedt gab es viel Not und Ratlosigkeit. Konnte es in dem  Nachkriegschaos noch Hoffnung auf eine Zukunft geben? Voller  Gottvertrauen und mit seiner unb√§ndigen Tatkraft ging Pfarrer Schulte  daran, seine Gemeinde aus einem Tal der Tr√§nen zu f√ľhren und wieder  aufzubauen.

Im Juni 1945 wurde mit der Wiederherstellung der  Kirche begonnen.

Von der zerst√∂rten Herz-Jesu-Kirche in Hamm  konnten Klinker gesammelt werden. Ein guter Freund der Gemeinde besorgte f√ľr die gro√üen Kirchenfenster zw√∂lf eiserne Rahmen, ein weiterer das  Glas. Auf die Billstedter Gemeinde war eben Verlass. Bald waren die  Sch√§den an der Kirche notd√ľrftig behoben, so dass die Eucharistie wieder gefeiert werden konnte. Und doch, es sollte bis 1948 dauern, bis die  restlose Beseitigung der Sch√§den vermeldet werden konnte.

1947  konnte sich die Pfarrgemeinde einen langgehegten Wunsch erf√ľllen: den  Kauf einer Turmuhr. Die Kirche brauchte auch dringend eine Renovierung  der Innenr√§ume, da 1945 und 1948 die Sch√§den nur provisorisch beseitigt  werden konnten. Zum Christ- K√∂nigsfest im Jahre 1950 erstrahlte die  Kirche in neuem Glanz.

Eine schwierige Aufgabe war schon immer  die Betreuung der Katholiken in dem damals noch fl√§chenm√§√üig sehr weiten Seelsorgebezirk Billstedts mit den Ortschaften Oststeinbek, Havighorst, Glinde, Willinghusen, Stemwarde, Stellau, Stapelfeld, Braak, Langeloh,  Kronshorst, Gro√üensee, Mellsdorf, Siek und Hoisdorf. Die Auswirkungen  des Krieges hatten viele Katholiken hierher verschlagen. Zur Entlastung  Billstedts wurde im September 1945 in Glinde eine Seelsorgestelle  eingerichtet, die von Kaplan Blaik betreut wurde. Sonntags feierte man  die Heilige Messe im staatlichen Kinderheim und werktags in der  Seelsorgestelle am Oher Weg. Die Zahl der Gl√§ubigen im Gebiet Glinde  wuchs st√§ndig. Im Jahre 1949 wurde dort die Arbeit an der Errichtung der dringend ben√∂tigten Kirche aufgenommen. Tag f√ľr Tag konnte man Kaplan  Blaik bei der Arbeit beim Bau finden. Am 18.12.1949 wurde die erste  Heilige Messe in der neuerbauten Glinder Kirche gefeiert. Die feierliche Konsekration durch Bischof Dr. Wilhelm Berning erfolgte am 3.7.1950.  Die Katholiken im Glinder Raum hatten nun ihre Kirche: Endlich Gemeinde, sie waren keine zerstreute Herde mehr.

Indessen wuchs die  Einwohnerzahl und damit auch die Zahl der Katholiken in Billstedt  st√§ndig. So erfolgte am 1. Januar 1951 die zwangsl√§ufige Aufteilung des  gro√üen, bis dahin von der Pfarrei Billstedt betreuten Seelsorgebezirks.  Glinde wurde mit den Orten Oststeinbek, Havighorst, Willinghusen,  Stemwarde, Stellau, Kronshorst und Langeloh eine selbst√§ndige Gemeinde  (Kuratie). 20 Jahre sp√§ter, am 1.10.1971, wurde Glinde zur Pfarrei  erhoben. Die Orte Braak und Stapelfeld kamen zur Kuratie Rahlstedt.  Gro√üensee zur Pfarrei Bad Oldesloe und Holsdorf, Mellsdorf, Siek zu  Ahrensburg.

Die Billstedter waren schon immer eifrige  Mutter-Gottes-Verehrer. Gro√ü war die Freude, als Bischof Kerkhoff von  L√ľttich Billstedt eine Kopie der Statue der ‚ā¨ŇĺJungfrau der Armen von  Banneux√Ę‚ā¨Ň“ schenkte. Am 20. Mai 1952 wurde die Statue im Pfarrgarten  aufgestellt und eingeweiht. Viele fromme Beter, auch Wallfahrer mit  Kummer und Sorge beladen und unz√§hlige Menschen freudig und in  Dankbarkeit haben seitdem vor unserer Mutter Gottes gesprochen.

Mit dem Ende des Krieges und der Durchf√ľhrung der W√§hrungsreform im Juni  1948 waren die Probleme weder in Hamburg noch in Billstedt bew√§ltigt.  Unvorstellbare 40 Millionen Tonnen Schutt hatten die Bombenn√§chte im  Stadtgebiet hinterlassen. Die Tr√ľmmerbahn schaffte t√§glich 150 Tonnen  Schutt von der Burgstra√üe zur √–jendorfer Kuhle.

Die gr√∂√üte  Schwierigkeit bereitete die Wohnungsnot. Im Kriege waren viele  Ausgebombte in die Kleing√§rten Billstedts gezogen um hier Gartenlauben  zu Behelfsbleiben umzubauen. Dazu kamen noch die Fl√ľchtlinge aus dem  Osten. Die Sanierung dieser Gebiete und die Beschaffung von Wohnraum  stellte die Kommunalverwaltung vor eine scheinbar schier unl√∂sbare  Aufgabe, denn die Bev√∂lkerungszahl wuchs in Billstedt st√§ndig. Vom Mai  1939 bis zum M√§rz 1951 hatte sie sich von 38.589 auf 67.421 knapp  verdoppelt und sie sollte bis zu 1957 weiter auf
ca. 84.000  heranwachsen.

Die Industrieansiedlung in Billbrook und Billstedt  hatte einen wesentlichen Einfluss auf diese Entwicklung. Die rasch  wiederaufgebaute Industrie bot der st√§ndig wachsenden Bev√∂lkerung  Billstedts gleich nach der Kapitulation gesicherte Arbeitspl√§tze. Eine  herausragende Stellung nahm hier die Vereinigte Jute-Spinnerei und  Weberei ein, die seit √ľber sieben Jahrzehnte der Hauptarbeitgeber in  Billstedt war. Nachdem die Entwicklungsl√§nder Indien und Pakistan die  Verarbeitung des Rohmaterials selbst √ľbernommen hatten, musste jedoch  die gute alte ‚ā¨ŇĺJute ihren Betrieb wegen Auftragsmangel im Jahre 1958  einstellen.

Die Bebauungspl√§ne sahen in Billstedt nur l√§ndliche  Bauweise vor. Bis in die f√ľnfziger Jahre hinein wurden die alten  preu√üischen Gebiete Hamburgs beim Aufbau vernachl√§ssigt, so dass nur  wenige gro√üe Wohnh√§user - so am Schiffbeker Weg¬  errichtet werden  konnten. Mit einem Wohnfl√§chenanteil von nur 5,8 qm pro Einwohner hatte  Billstedt den niedrigsten Wohnfl√§chen-Index Hamburgs. Und obwohl f√ľr  eine vierk√∂pfige Familie durchschnittlich nur 23 qm Wohnraum zur  Verf√ľgung standen, wurde Billstedt erst relativ sp√§t zum  Schwerpunktgebiet des Hamburger Wiederaufbauprogramms erkl√§rt. Erst  danach konnte die Bebauungsordnung endlich die notwendige √Ąnderung  erfahren, welche gro√üst√§dtische Bauplanung zulie√ü.

Das  Gemeindeleben zeichnete sich in der Betriebsamkeit des wirtschaftlichen  Aufschwungs eher durch Best√§ndigkeit als durch eine Vielzahl von  H√∂hepunkten aus. Viele Menschen hatten das erste Mal in ihrem Leben die  Gelegenheit, pers√∂nlichen Wohlstand zu erlangen, der es ihnen  erm√∂glichte, gesichert in eine friedliche Zukunft zu blicken. So kann es nicht verwundern, dass sich in dieser Zeit das wesentliche Interesse  der Menschen auf die materielle Sicherung des Lebens richtete.

Grundlage des religi√∂sen Lebens in der Gemeinde waren die Sonntags- und  Wochentagsmessen. Volksmissionen sollten die Seelsorge in der Diaspora  unterst√ľtzen. 1954 besuchten drei Franziskanerpatres mit einer fahrbaren Kapelle die Gemeinde und predigten den Menschen in den Wohnlagern in  Billbrook und Moorfleet. Die kirchlichen Hochfeste wurden in besonders  prachtvoller Weise begangen. Zum Fronleichnamsfest schm√ľckten die  verschiedenen Vereinigungen vier Alt√§re auf dem Kirchen- und  Schulgel√§nde. Ebenso feierlich wurde das Christk√∂nigsfest gestaltet.  Eine F√ľlle von Kerzen und pr√§chtige Blumenarrangements lie√üen die Kirche in festlichem Glanz erstrahlen. Dazu unterstrich ein gro√ües  Messdieneraufgebot den feierlichen Charakter. Dank der v√§terlichen  F√ľrsorge des Fraters Johannes Weinrich entwickelte sich in diesen Jahren eine lebendige Messdienergruppe, die einen wichtigen Teil der  kirchlichen Jugendarbeit ausmachte.
Das ganze Leben in der Gemeinde  wurde in diesen Jahren von Pfarrer Schulte gepr√§gt. Als 1952 das Dekanat Wandsbek von Altona abgekoppelt und neu begr√ľndet wurde, erhielt er das Amt des Dechanten, das er bis zu seinem Lebensende verwaltete. Ende  November 1959 wurde Dechant Schulte zum p√§pstlichen Geheimk√§mmerer  ernannt, und konnte fortan den Titel Pr√§lat f√ľhren. Seine  achtunggebietende Pers√∂nlichkeit nimmt seit langem im geistigen Leben  Billstedts einen Ehrenplatz ein, hie√ü es im Billstedter Anzeiger  anl√§sslich seiner Ernennung zum Pr√§laten.

Doch die k√∂rperlichen  Kr√§fte Pastor Schultes waren durch die aufreibenden Kriegs- und  Nachkriegsjahre geschw√§cht. Nach mehrw√∂chigem Krankenhausaufenthalt  starb Pr√§lat Heinrich Matthias Schulte am 4. M√§rz 1962 im  Marienkrankenhaus. Sein Tod traf die Gemeinde schwer. Unter  eindrucksvoller Anteilnahme der ganzen Gemeinde wurde Pastor Schulte auf dem Schiffbeker Friedhof beerdigt.

Zeit des Umbruchs und der  inneren Erneuerung:

Die Nachkriegsjahre waren f√ľr Billstedt  eine Zeit st√ľrmischer Entwicklung. Mehr als
30 000 Neubauwohnungen  lie√üen die Einwohnerzahl von rund 63 000 im Jahre 1950 auf mehr als 110  000 Einwohner anwachsen. Aus der einst l√§ndlichen Vorstadt wurde die  Gro√üstadt an der Bille. Die vordem weiten Gr√ľnfl√§chen Billstedts wurden  mehr und mehr von Hochh√§usern durchzogen. Die rege Baut√§tigkeit war  Zeichen des wachsenden Wohlstandes und fand ihren letzten Ausdruck in  der Mammutsiedlung¬  M√ľmmelmannsberg.
Der schnellen Ausdehnung  Billstedts wurde durch den Anschluss an das U-Bahn-Netz im Jahre 1969  Rechnung getragen. Gleichzeitig begann die schrittweise Umgestaltung des gesamten Ortskerns von Billstedt mit dem Bau der Betonburgen von  Ortsamt, Einkaufszentrum, Post und √Ąrztehaus. Fast hat man den Eindruck, dass unsere Kirche von allen Seiten zugemauert wird. Andererseits wird  jetzt erst deutlich, mit welch gl√ľcklicher Hand unsere Vorfahren den  Platz f√ľr den Kirchenbau ausw√§hlten:
die St. Paulus Kirche, einst  ‚ā¨Ňĺauf der gr√ľnen Wiese zwischen Schiffbek, Kirchsteinbek und √–jendorf,  steht nunmehr mitten im Ortskern von Billstedt.

Es sind auch  Jahre gro√üer Unruhe in Gesellschaft und Kirche, gekennzeichnet von dem  radikalen Abbau von Autorit√§ten, Traditionen und Wert√ľberzeugungen. Die  weithin sichtbare Entfremdung der Jugend und weiter Kreise der  Gesellschaft von Kirche und Religion haben sich f√ľr die Kirche zu einer  ernsten Herausforderung herauskristallisiert.

Die Kirche hat die  Herausforderung angenommen. Auf dem 2. Vatikanischen Konzil versuchte  sie in einer bisher nicht gekannten Offenheit, die Fragen der Menschen  aufzunehmen und den Glauben der Kirche in der Sprache unserer Zeit  aufzuzeigen. Die herausragenden Dokumente dieser Kirchenversammlung  bestimmten auch nachhaltig das Leben unserer Gemeinde in den sechziger  und siebziger Jahren: die Reform der Liturgie - die Betonung des  Laienapostolats - die Verantwortung der Kirche f√ľr die Welt von heute.

Am 1. Juli 1962 √ľbernahm Pastor Josef Rehme die Pfarrei Billstedt. Er  stammt, wie sein Vorg√§nger Pastor Schulte, aus dem Osnabr√ľcker Land. Die raue Luft der Hamburger Diaspora war ihm bereits vertraut, da er von  1954-1958 das Jugendseelsorgeamt in Hamburg geleitet hatte.

Als  auffallendstes Merkmal begann nun f√ľr die Gemeinde eine Zeit reger  Baut√§tigkeit, die von der unerm√ľdlichen Einsatzbereitschaft ihres  Pastors, dem zupackenden Mittun und der nie versiegenden  Spendefreudigkeit der Gemeindemitglieder getragen wurde. Es verging kaum ein Jahr, in dem nicht eine neue Aufgabe, ein neues Werk mit viel Mut  und Gottvertrauen begonnen und vollendet werden konnte.

1963  mussten das Dach der Kirche und die Holzdecke nach starker Zerst√∂rung  erneuert werden. Noch im gleichen Jahr wurde der Vorraum der Kirche  erweitert. Taufkapelle und Seitenkapelle erhielten farbige Beton-  Glasfenster.

Wichtigstes Anliegen der Neugestaltung unserer  Kirche war die Durchf√ľhrung der Liturgiereform, die eine lebendigere  Mitfeier der Eucharistie erm√∂glichen sollte. Die liturgische Erneuerung, die u. a. Latein durch die deutsche Sprache ersetzte, die Handkommunion der Gl√§ubigen einf√ľhrte und den Priester zum Volk hin zelebrieren lie√ü, machte 1969 die Umgestaltung des Altarraumes erforderlich. Der Altar  wurde nach vorn ger√ľckt, der Tabernakel erhielt einen eigenen Platz an  der rechten Seite, die schlichte, w√ľrdige Gestaltung des Chorraumes  entsprach dem gewandelten Fr√∂mmigkeitsempfinden der Gl√§ubigen. F√ľr viele bedeutete die Umgestaltung des Gotteshauses und die neue Liturgie ein  Abschiednehmen von Gewohntem und Liebgewordenem. Aber insgesamt hat die  Gemeinde die Liturgiereform doch mit gro√üer Bereitschaft aufgenommen und zu einer aktiven Mitfeier der Gemeindegottesdienste gefunden.

Eine umfassende Renovierung erhielt die Kirche im Jubil√§umsjahr 1979.  Sicherlich z√§hlt die St. Paulus Kirche in ihrer klaren Formgebung und  stilvollen Ausgestaltung zu einer der sch√∂nsten katholischen Kirchbauten in Hamburg. Ein weiteres wichtiges Bauvorhaben war 1968 die Erweiterung der Gemeinder√§ume und die Errichtung eines gro√üen Gemeindesaales - eine unerl√§ssliche Voraussetzung f√ľr das Gemeinschaftsleben der Gruppen und  das Zusammenkommen der Pfarrgemeinde zu Fest und Feier.

Wie sehr  die Sorge um die Senioren im Gemeindeleben verankert ist, davon zeugt  neben den regelm√§√üigen Seniorentagen vor allem das Marie-H√§gemann-Haus,  ein modernes Altenwohnheim der Gemeinde am Schiffbeker Weg, das im  Februar 1972 durch den Bischofsvikar Weihbischof Johannes von Rudloff  feierlich eingesegnet wurde. Von den Baukosten in H√∂he von 1,5 Millionen DM hat die Pfarrgemeinde 188 000 DM aus eigenen Mitteln aufgebracht.  Das Senioren-Wohnheim mit seinen 25 Wohnungen wurde bewusst in das  Ostzentrum Billstedts hineingebaut, um die √Ąlteren Menschen nicht  irgendwo an den Stadtrand zu verbannen, sondern ihnen dort Wohnrecht zu  gew√§hren, wo auch bisher der Mittelpunkt ihrer Lebensbeziehungen war.

Als das Altenwohnheim seiner Bestimmung √ľbergeben wurde, war bereits eine  neue kirchliche Baugrube ausgehoben und der Grundstein f√ľr das neue  Kindertagesheim am √–jendorfer Weg gelegt. Das von den Hamburger  Architekten Bunsmann und Scharf als ‚ā¨ŇĺKinderburg entworfene Geb√§ude  konnte bereits Anfang 1973 eingeweiht werden und bietet 125 Kindern  Platz und Geborgenheit f√ľr eine sinnvolle fr√ľhp√§dagogische Erziehung.

Kindertagesheim, Vorschulklassen und die katholische Schule am √–jendorfer Weg bilden  nunmehr ein umfassendes Bildungs- und Erziehungsangebot f√ľr die  katholischen Familien in unserer Gemeinde. Auch dieses Kindertagesheim  ist ein beredtes Zeugnis f√ľr das beispielhafte soziale Engagement der  Billstedter Gemeinde. Von Anfang an hat die Gemeinde den Bau des Heimes  als ihr Unternehmen angesehen und mit gro√üer Opferbereitschaft  mitfinanziert, und sie leistet j√§hrlich durch ihr Spendenaufkommen einen erheblichen Beitrag zu den laufenden Unterhaltskosten des Heimes.

1968 wurde die Schule durch die Angliederung eines Realschulzweiges  ausgeweitet. Seit 1971 werden die Kleinen in zwei Vorschulklassen auf  den ‚ā¨ŇĺErnst des Lebens vorbereitet, indem sie durch spielendes und  soziales Lernen gezielt gef√∂rdert und zur Schulreife gef√ľhrt werden. Als Mittelpunktschule im Osten Hamburgs mit ann√§hernd 600 Sch√ľlern geh√∂rt  neben Billstedt auch Horn, Glinde, Lohbr√ľgge und Bergedorf zum gro√üen  Einzugsbereich der Schule.

Die vielf√§ltigen Aufgaben einer  Pfarrgemeinde k√∂nnen von den Pfarrgeistlichen nicht allein bew√§ltigt  werden. Sie brauchen die Vielfalt der Gaben und Dienste, die alle  Gl√§ubigen in das Leben einer Gemeinde einbringen. Darum hat das Konzil  in besonderer Weise das allgemeine Priestertum aller Gl√§ubigen  hervorgehoben und die Laien in die Mitverantwortung f√ľr die Kirche  hineingerufen. Sicher gab es das Laienapostolat auch schon vor dem  Konzil. Aber dass die Laien zu einem verst√§rkten Selbstbewusstsein  erwachen und demokratisch gew√§hlte Laiengremien die Geschicke einer  Pfarrgemeinde verantwortlich mitbestimmen, war doch f√ľr viele ein  ungewohntes, neues Bild von der Kirche.

1969 wurde der erste  Pfarrgemeinderat unter 29 Kandidaten gew√§hlt. Heute geh√∂rt der  Pfarrgemeinderat ebenso wie der Kirchenvorstand zu den  selbstverst√§ndlichen Institutionen der Kirche, der die vielf√§ltigen  Aktivit√§ten unserer Gemeinde verantwortlich mitbestimmt und  mitgestaltet.

Neben der Arbeit in den Gremien sammelten sich  engagierte Gemeindemitglieder in Gruppen und Gespr√§chskreisen, um sich  mit dem gewandelten Verst√§ndnis von Glaube und Kirche ernsthaft  auseinander zu setzen. Hier ist vor allem die Arbeit der Kolpingsfamilie zu nennen, der Gespr√§chskreis junger Erwachsener und die Arbeit des  Theologischen Seminars, das √ľber zwei Jahre regelm√§√üig etwa 40  Teilnehmer zusammenf√ľhrte. Gerade dieses Theologische Seminar macht die  Zeit des Umbruchs deutlich. Denn es fand in der Gemeinde eine  zwiesp√§ltige Aufnahme: W√§hrend es f√ľr die einen wegen seiner  Infragestellung und Kritik des herk√∂mmlichen Glaubens am Ende zu einem  √Ąrgernis wurde, war es f√ľr die anderen eine Chance, als m√ľndiger und  somit fragender und kritischer Christ ernstgenommen zu werden. Wie sehr  politische Entscheidungen unmittelbar auch das Leben einer Pfarrgemeinde betreffen, wurde erneut deutlich, als nach Abschluss der Ostvertr√§ge  eine gro√üe Zahl deutsch st√§mmiger Aussiedler aus Polen und anderen  Ostblockl√§ndern in Billstedt eine neue Heimat fand.

Die  Begegnung mit diesen neuen Gemeindemitgliedern erinnert in vielem an die Anf√§nge der Billstedter Gemeinde, als es darum ging, Menschen aus einem anderen Kulturkreis und mit einem unterschiedlichen Verst√§ndnis von  Kirche und Gemeinde in einer Diasporagemeinde neue Heimat und  Geborgenheit zu geben. So gilt die besondere Seelsorge der Wohnanlage  Billbrookdeich, in der die Aussiedler nach ihrer Ankunft in Hamburg  vor√ľbergehend untergebracht und betreut werden. In Gruppenarbeit,  Freizeiten und Pfarrfesten versucht die Gemeinde, Kontakte anzubieten  und den Weg in den aktiven Kreis der Gemeinde zu erleichtern. Hier muss  sich unsere Gemeinde als eine offene Gemeinschaft zeigen, damit die  Aussiedler und andere Hinzuziehende sich recht bald als Br√ľder und  Schwestern angenommen f√ľhlen k√∂nnen.
Die Verantwortung der Gemeinde  f√ľr die Anliegen der Weltkirche und die Welthungerhilfe wird allj√§hrlich bei den gro√üen Kollekten f√ľr die Aktion ADVENIAT und MISEREOR offenbar. Der Verkauf selbstgebackenen Kuchens w√§hrend der Faschingszeit, das  Eintopfessen am Weltmissionssonntag und der Weihnachtsbasar mit selbst  gebastelten Gegenst√§nden aller Art dient der Unterst√ľtzung unserer  Patengemeinde Mato Grosso in Brasilien. Der Gewinn aus dem Verkauf von  Weihnachtsb√§umen, den die Jugend organisiert, kommt schon seit mehreren  Jahren den Wei√üen Br√ľdern in Burkina Faso (ehem.. Obervolta) zugute.

Wir leben in einer Zeit des fortw√§hrenden Umbruchs, die unsere  Glaubenskraft auf eine ernste Probe stellt, denn die Kehrseite des  wachsenden Wohlstandes ist seit Jahren eine zunehmende materialistische  Grundeinstellung der Gesellschaft. Leben ist identisch mit  Geldverdienen, Vorw√§rtskommen, Erwerb von materiellen Statussymbolen und Konsum von immer mehr und immer kostspieligeren G√ľtern geworden. Das  Materielle ist an die Stelle des Seelischen getreten. Der Verlust an  religi√∂ser Bindung und kirchlichem Engagement hat auch unsere Gemeinde  sichtbar betroffen und dokumentiert sich in schwindendem  Gottesdienstbesuch und mangelnder Bereitschaft f√ľr die aktive Mitarbeit  in Gruppen und Vereinen.

Eine ernste Probe, die f√ľr uns zugleich aber auch die Chance f√ľr einen neuen Aufbruch ist. Wir d√ľrfen - auf dem Fundament einer reichen und verpflichtenden Tradition - unseren Weg  mutig weitergehen. Denn wir haben das Wort des Herrn: ‚ā¨ŇĺSeht, ich bin  bei euch alle Tage bis ans Ende der Welt!