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 Billstedter Heimatkunde

Die geschichtliche Entwicklung der Gemeinden
 Schiffbek, Kirchsteinbek und Öjen
Nach alten Quellen und mündlicher Überlieferung zusammengestellt von

HILDEGARD DUNKER
Lehrerin in Kirchsteinbek
Die Zeichnungen sind von
PAUL RÄTHER
Lehrer in Billstedt
 Herausgegeben im März 1954 vom Kulturring Billstedt-Horn durch die
 Norddeutsche Druck- und Verlagsanstalt Ferdinand Schulz, Hamburg-Billstedt.
Vorwort
Vor noch nicht drei Jahrzehnten hätte man den Namen Billstedt auf Übersichtskarten von Hamburg und Umgebung vergeblich gesucht. Denn erst 1927 schlossen sich Schiffbek, Kirchsteinbek und Öjendorf unter diesem Namen zu einer neuen Großgemednde zusammen, die zwar unmittelbar vor den Toren Hamburgs lag, aber zu Preußen gehörte. 10 Jahre später schluckte? der große Nachbar diesen Brocken, der sich zwischen dem „Letzten Heller" und dem althamburgischen Bergedorf eingeklemmt hatte und immer mehr anwuchs.

Billstedt ist also ein recht junges Kind. Aber die drei Gemeinden, aus denen es hervorging, hatten schon eine recht wechselvolle Geschichte hinter sich, und es lohnt sich, sie zu kennen. Leider gab es bisher kein Buch, in dem wir blättern konnten, um etwas Näheres in geschlossener Zusammenfassung darüber zu erfahren, und aus den alten Quellen zu schöpfen, ist ein sehr mühsames Unterfangen.

Von den alteingesessenen Billstedtern kennen nur sehr wenige noch die Sagen, die einst um die verfallene Spökelburg im Umlauf waren. Und wer von den neu hinzugezogenen Familien wird vermuten, daß diese Gegend, in der sie jetzt Ihr Zuhause gefunden haben, vor gar nicht allzu« langer Zeit ein beliebtes Ausflugsziel der Hamburger Bürger war, daß Dampfschiffe die Bille herauffuhren, und daß so bedeutende Persönlichkeiten wie der Buchdrucker Holle, der Kupferstecher Fr itzsch und der Reiseschriftsteller Archenholz hier gewohnt und gewirkt haben?

Als die junge Lehrerin der Schule zu Kirchsteinbek, Frau Hildegard Dunker, sich 1942 ein Thema für ihre Lehramtskandidatenprüfung wählen konnte, stellte sie sich die Aufgabe, die geschichtliche Entwicklung Billstedts zu erforschen, alles erreichbare Material zusammenzusuchen und übersichtlich geordnet niederzuschreiben. So entstand eine sehr wertvolle Arbeit, für die spätere Generationen noch dankbar sein werden.

Doch was nützt es, wenn diese heimatgeschichtliche Darstellung, mit Schreibmaschine geschrieben, in nur zwei oder drei Exemplaren vorhanden ist? Sie muß in die Hände derer kommen, die daran interessiert sind: zu den heimatbewußten Einwohnern? zu den Lehrern, die hier Heimatkunde-Unterricht halten; zu den Vereinen, die sich kulturelle Aufgaben gestellt und besonders die Pflege der Heimatliebe zum Ziel gesetzt haben; und vor allem zu der wißbegierigen Jugend, die ihre engere Heimat kennen und lieben lernen soll.

Redaktion und Verlag des „Billstedter Anzeiger" erfuhren zufällig, daß beim Ortsamt Billstedt eine solche historische Zusammenstellung aufbewahrt wurde, und baten die Verfasserin, diese wissenschaftliche Arbeit zu einer allgemeinverständlichen Artikelreihe auszuwerten.

Ende 1952 bis Mitte 1953 erschien dann im „Billstedter Anzeiger" die Billstedter Heimatkunde, mit Zeichnungen nach alten Originalen von Lehrer Paul R ä t h e r illustriert. Diese Veröffentlichung fand so begeisterte Zustimmung, daß sich der Kulturring Billstedt-Horn entschlossen hat, sie in Heftform zu einem für jeden erschwinglichen Preis herauszugeben.

Möge diese kleine Schrift von bleibendem Wert in jedes Haus Billstedts Eingang finden!

Dr. Erich Leupolt, 1. Vorsitzender des Kulturrings Billstedt-Horn

Billstedter Heimatkunde
Billstedt hat im September 1952 seinen 25. Geburtstag gefeiert, den Geburtstag der Großgemeinde, die 1927 durch die verwaltungsmäßige Zusammenfassung der drei Ortschaften Schiffbek, Kirchsteinbek und Öjendorf entstanden ist. Während in vergangenen Zeiten Steinbek als Kirchspielort durchaus den ersten Rang einnahm, hat in den letzten 60 Jahren Schiffbek durch die. industrielle Entwicklung den Nachbarort an Bedeutung übertroffen. In derselben Zeit aber hat auch Schiffbeks Namen seinen guten Klang eingebüßt. Vielfach herrscht unter Hamburgern heute noch die Ansicht, daß es ein unschönes „Fabriknest" ist, von ungesunden Dünsten durchzogen.
Von Hamburg kommend führt uns die Hauptstraße beim  Schiffbeker Berg" auf den Geestabhang, an dessen Rand Schiffbek liegt. Bei klarem Wetter sieht man in der Ferne nach Süden die bewaldeten Höhen Harburgs, die ursprünglich mit dem Geestabhang verbunden waren, dann aber am Ende der zweiten Eiszeit durch die abfließenden Schmelzwasser^ den riesigen Urstrom, von dem diesseitigen Ufer getrennt wurden. Jetzt fließt die kleine Bille zu Füßen des Geestabhanges, den sie bei Schiffbek berührt Sie hat auch dem Ort den Namen gegeben und ist der Anstoß gewesen zu der raschen Entwicklung der letzten Jahrzehnte. Schiffbek, in mittelalterlichen Urkunden „Scipbeke" genannt, soll heißen, daß hier* ein „s c h i f f b a r e r B a c h" fließt, daß die Bille bis hierher schiffbar war. Etwas oberhalb Schiffbeks, bei Kirchsteinbek schon, wird der Fluß seicht und ist hier fast ganz mit Wasserpflanzen bewachsen, so daß man der Worterklärung glauben mag, die den Namen aus dem Wendischen herleiten will, wo es „Krautfluß' bedeuten soll. Die Schiffbarkeit der Bille bis Schiffbek hat dann später an ihren Ufern bis hierher die Fabriken entstehen lassen.
 
Unsere kleine „Billstedter Heimatkunde" will von Zeiten und Menschen aus Billstedts Vergangenheit erzählen, die der Erinnerung wert sind. Sie wird zeigen, daß die Nähe der Stadt Hamburg oft schicksalhaft für Billstedt war, bis der Ort 1937 in die Großstadt eingemeindet wurde. Einmal wird die Geschichte den einen, ein anderes Mal den anderen Ortsteil der Gemeinde stärker berühren. Wir wollen dabei nicht vergessen, daß „Billstedt" der allen drei Ortsteilen gemeinsame Name ist, und daß Sich dem gemeinsamen Namen im Laufe der Zeit ein Gemeinsamkeitsgefühl zugesellen muß, neben dem die gewachsene Eigenart der drei Ortsteile Schiffbek, Kirchsteinbek, Öjendorf wohl bestehen bleiben soll.

Die Schiffbeker Burg

Wer hat in unserer rastlosen Zeit noch die Muße, mit offenen Augen durch einen Ort zu gehen und sich, von Gebäuden, Anlagen oder Straßennamen zur Nachdenklichkeit gezwungen, in die Vergangenheit zu vertiefen? Man mag es vielleicht auf Reisen in einem fremden Ort tun, kaum in seinem Heimatort, noch dazu, wenn die Spuren so schwer auffindbar sind wie in Billstedt, zum Teil sogar ganz verwischt sind, so daß nur noch ein Name den Weg weisen kann. Die Zeugen ältester Zeit sind jedoch in Billstedt recht augenfällig. Wem wären nicht schon auf dem Wege von Schiffbek nach Kirchsteinbek, wo sich die Straße dem Schleemer Bach zu senkt, die stattlichen, mit Laubbäumen bestandenen wallartigen Anlagen vor dem Hause Billstedter Hauptstraße 120 aufgefallen? Doch ahnt wohl kaum jemand, was für kümmerliche Reste einer einst stattlichen Verteidigungsanlage hier unter Kulturschutz stehen; ahnt nicht, daß er die Reste einer weit über 1000jährigen Anlage vor sich hat; ahnt nicht, mit welchem Eifer hier vor etwa 60 Jahren Wissenschaftler jedes Kubikmeter Erde umgegraben und durchgesiebt haben, um durch Funde Licht in die Anfänge und das Schicksal der Schiffbeker Burg zu bringen, nachdem leider einige Jahrzehnte früher ein großer Teil der Erde zu Deichverbesserungen und Regulierungen des Schleemer Baches abgetragen worden war; ahnt schließlich nicht, wieviele Menschen, von Leidenschaft getrieben, hier einst nächtlicherweile heimlich Schatzgräber waren.

In der Sammlung vorgeschichtlicher Altertümer in Hamburg werden die Funde aufbewahrt, die man bei den erwähnten Ausgrabungen in der Schiffbeker Burg geborgen hat. Der Uneingeweihte mag enttäuscht sein, wenn er vernimmt, daß es sich lediglich um Gefäßscherben handelt, die für den Wissenschaftler jedoch von unschätzbarem Wert waren; denn ihm verraten Form und Herstellungstechnik die Zeit der Entstehung. Die ältesten Scherben stammen aus dem 8. bis 11. Jahrhundert. Damals, also zu der Zeit, als Karl der Große mit dem Schwerte Nordalbingien seinem christlichen Frankenreich angliedern wollte und in 7 km Entfernung von Schiffbek die „Hammaburg" gründete, haben die hiesigen Bauern einen großen Ringwall angelegt, der ihren Angehörigen und ihrem Vieh Schutz bot, wenn feindliche Macht nahte. Die Lage war hier günstiger, als an anderen Stellen auf dem Geestrand, weil Schleemer Bach und Bille, deren Wasser damals bei Flut noch den Geestabhang berührten, hier einen Winkel bildeten, und die schwer zugänglichen sumpfigen Niederungen einen zusätzlichen Schutz boten. Wie diese erste Ringwallanlage aussah, können wir nicht wissen, weil sie später erneut benutzt und vielleicht erweitert und vervollkommnet worden ist; aber jahrhundertelang haben unsere hiesigen Bauern sie vermutlich zur Zeit der Frankenkriege und der Wendenüberfälle benutzt.

Bei den damaligen Ausgrabungen fand man aber auch Scherben au9 dem späteren Mittelalter. Hier sind wir nicht mehr auf Vermutungen über die Anlage und das Schicksal unserer Burg angewiesen, sondern Urkunden und Chroniken bringen uns die erste schriftliche Kunde.

Ereignisreich war das Jahr 1201 verlaufen. Schleswig und Holstein waren damals noch nicht ,,up ewig ungedeelt". Graf Adolf III. von Schaumburg, Herzog von Holstein, und Graf Waldemar von Schleswig, Bruder des mächtigen Dänenkönigs Knud, waren Rivalen im Streben um den Besitz Dithmarschens. Im Verlauf dieser wechselvollen Streitigkeiten drangen die Dänen im Sommer 1201 nach Süden bis an die Elbe vor, und hier in unserer Gegend bei Stellau kam es zu einer für die Holsten unglücklichen Schlacht. Graf Adolf flüchtete über Hamburg nach Stade. Der klugen Politik der Hamburger Stadtväter ist es zu verdanken, daß der siegreiche Waldemar schon einen Tag nach seinem Einzug in die Stadt weiterzog, nachdem er eine Besatzung zurückgelassen und Geiseln mitgenommen hatte. Doch schon nach wenigen Monaten, im November desselben Jahres 1201, gelang es Adolf mit Hilfe der ihm geneigten Hamburger Bürger, die dänische Besatzung aus der Stadt zu verjagen. Er machte sich Hoffnungen, von der wiedergewonnenen Stadt aus auch Holstein wieder unter seine Herrschaft zu bringen — und wir dürfen im Laufe der Geschichte nie vergessen, daß unsere Dörfer im Kreise Stormarn ein Teil Holsteins waren. Doch die Dänen bereiteten in der Stille sein Ende vor. Der Frost kam ihnen zu Hilfe. Am Weihnachtsabend des Jahres 1201 nahm Herzog Waldemar, mit großer Übermacht über die gefrorene Alster und Elbe ziehend, die Stadt ein und den Grafen Adolf gefan-

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gen. In Eisen wurde er nach Dänemark gebracht und erst nach der Übergabe von Lauenburg gegen das Versprechen, Holstein nicht mehr zu betreten, aus der Gefangenschaft entlassen. König Knud nahm seinen Einzug in Holstein. Es schien endgültig an die Dänen verloren, die ihre Grenzen nun von der Eider an die Elbe verlegt hatten. An Stelle Graf Adolfs von Schauenburg erlangte Graf Albert von Orlamünde, der Schwestersohn des dänischen Königs, die Regierung über Holstein. Aus seiner Regierungszeit stammen die ältesten Urkunden, in der die Dörfer Schiffbek und Steinbek erwähnt werden. Er schenkte im Jahre 1212 dem Hamburger Mariendom die ganzen Einkünfte, den „Zehnten", in „Schibeke" und der Niederung bei „Stenbeke".

Eineinhalb Dezennien währte es, bis Kaiser Otto IV. im Jahre 1215 durch die Einnahme der Stadt Hamburg versuchte, Holstein wieder unter deutsche Regierung zu bringen. Aber noch schien die Zeit nicht reif zu sein. Graf Albert von Orlamünde und sein Onkel Waldemar, nach dem Tode König Knuds selbst König von Dänemark mit dem stolzen Beinamen „der Sieger", machten sich zur härtesten Belagerung bereit, die diese arme Stadt als Spielball politischer Machtinteressen auszuhalten hatte. Eine alte Reimchronik in plattdeutscher Sprache und eine Chronik von 1599 erzählen anschaulich darüber:

„Do buwete he eyn slot vor dat Ekholt und graue Albert
 buwete eyn slot by Schypbeke op bauen de Elue, up dat
se nene Tofort nich to water ofte to lande krygen konden."
„He scot mit bussen unde bliden in de stat,
op de he se wunne desto bat ....
se liden in der stat hunger onde smacht."
„To Hamburgh dorsten nene schepe kamen,
 wente se worden altomale benahmen,
en kam nichts to water noch to lande ...."

„Darzu ließ der König lange Pfäl von beyden theilen
des ufers stossen und zwerch über den ström ließ
er ein ketten an die Pfäl befestigen."
Im 13. Jahrhundert bekam die Schiffbeker Burg eine große militärische Bedeutung. Albert von Orlamünde konnte keinen besseren Platz finden, als die von den Bauern Jahrhunderte früher angelegte Schiffbeker Schanze. Die günstige Lage wurde noch verbessert durch große Stauteiche am Schleemer Bach.
Ein Blick auf eine alte Skizze aus der staatlichen Landesbildstelle Hamburg zeigt uns, daß im Süden und Südosten die Wasser bei Flut den

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Geesthang berührten, im Osten befanden sich die großen Stauteiche der Wassermühlen am Schleemer Bach; ein 3 m hoher Wall und ein ebenso tiefer Graben schützten den Innenraum. Die Länge der Anlage betrug an der Seite des Geestabhanges etwa 180 m. Der eingeschlossene Raum hat 1000 qm betragen, und in seiner Mitte war ein mit Feldsteinen ausgesetzter Brunnenschacht von nahezu 5 Fuß Durchmesser. Hinter dieser Verschanzung, die noch durch einen Palisadenzaun verstärkt wurde, aber sonst keine Baulichkeiten einschloß, wie die Nachgrabungen im 19. Jahrhundert ergaben, konnte Albert von Orlamünde etwa 300 Mann Besatzung stehen haben. Er beherrschte von hier aus die einzige Hauptstraße, die von Osten aus nach Hamburg führte. In Verbindung mit der Burg König Waldemars im Westen und der Absperrung der Elbe gelang es den Dänen bald, Hamburg wieder einzunehmen.

„Dadurch der König alle Zufuhr, beyd zu Wasser und zu Lande der Stadt verhindert und die Bürger darzu genötiget, daß sie die Stadt mußten wider auffgeben."
Der König schenkte seinem Neffen die Stadt „erb- und eigenthumblich". Die Bemühungen Kaiser Ottos waren vorläufig vor Waldemar dem Sieger und Albert von Orlamünde zunichte geworden. Die Burgen im Eichholz und bei Schiffbek blieben bestehen.  Die Hamburger fühlten sich durch diese Burgen in ihrem Rechte beleidigt; bestimmte doch ein Artikel des berühmten Freibriefes von Barbarossa aus dem Jahre 1189:
„Wir geben ihnen die Freiheit, daß niemand eine Burg bei ihrer Stadt bauen darf zwei Meilen in der Runde."
Aber 9 Jahre sollten noch vergehen, bis die Hamburger Bürger an der Seite des jungen Atdolfs IV. von Schauenburg nach einer siegreichen Schlacht gegen Albert von Orlamünde bei Mölln auf der Möllner Landstraße nach Schiffbek zogen und hier ihr befriedigendes Zerstörungswerk vollbrachten: Die von de'n Dänen angelegten Schanzen wurden in diesem Jahre 1225 vernichtet.
„He störmede ok vor der borch in dersuluen stund,
dede kostet hadde greuuen Alberde wol dusent punt.
He wan de borch und brak se in de grunt;
 noch so wart em nich en man afgewunt."
Zwei Jahre später kam die endgültige Befreiung ganz Holsteins von dänischer Herrschaft durch den Sieg Adolfs IV. van Schauenburg über König Waldemar, den Sieger bei Bornhöved 1227.
Was von der Schiffbeker Burg übrig blieb, hat sich anscheinend durch mehr als 600 Jahre unverändert erhalten, bis im Jahre 1865 der nachmalige Besitzer der Farbholzmühle beim Bau des jetzigen Wohnhauses die Anlage bis auf die heute noch vorhandenen Reste zerstörte.

Der letzte Teil des Grabens ist im Jahre 1876 zugeworfen worden. Die Wallreste stehen heute unter Kulturschutz.

Schatzgräber*Sagen um den Spökelbarg

Die jetzigen, immer noch recht stattlichen und jedem Vorübergehenden auffallenden Wallreste müssen im Vergleich mit der ursprünglichen Anlage doch recht kümmerliche Ruinen sein. Die Bevölkerung bezeichnet den Platz heute noch als „Schiffbeker Burg", häufiger aber als „Spökelbarg"? denn das Volk umgab diese Ruinen bald mit einem Kranz von Sagen.

Schon in Chroniken, die ein paar Jahrhunderte alt sind, wird berichtet, daß es ,,in der Schiffbeker Burg spökelt". Eine Gräfin von Orlamünde, die ihre Kinder umgebracht habe, solle in den ehemaligen Burgen der Orlamündes „als weiße Frau umgehen", die mancher gesehen haben wollte. Diese Gespenstersagen mögen entstanden sein durch Schatzgräber, die von Zeit zu Zeit in der Burg tätig waren. Es ging nämlich die Sage, daß in der Burg noch ein Teil des dem Grafen Orlamünde gehörigen Schatzes vergraben sei.

„So sind in dem Spökelberg zwischen Schiffbek und Steinbek die Schätze des Grafen Albert von Orlamünde begraben, dem die Hamburger für die Freiheit ihrer Stadt 1500 Mk. Silbers gegeben haben."

Damit muß die Kaufsumme gemeint sein, die die Hamburger dem Grafen für die Auslösung ihrer Geiseln im Jahre 1225 zahlten. Andere Quellen berichten von einer goldenen Wiege, die in der Burg vergraben sein sollte. Besondere Nahrung erhielten diese Volkssagen, als ein Fuhrmann im Jahre 1688 in der Nähe der Burg einen Beutel mit Dukaten fand. Damals ließ sich ein reicher Hamburger Kaufmann dazu verleiten, unter großen Kosten vier Wochen lang in der Burg Nachgrabungen anstellen zu lassen, in der Hoffnung auf größere Schätze. Die' Mühe war vergeblich, und er mußte die Sache aufgeben.

Immer wieder wurden abenteuerliche Menschen von diesen Sagen veranlaßt, ihr Glück in nächtlicher Schatzgräberei zu versuchen.   Dabei

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war besonders erschwerend, daß man bei der Hebung des Schatzes kein Wort sprechen durfte. Noch um die Mitte des vorigen Jahrhunderts soll ein Bauer aus Schiffbek nachts auf dem Spökelberg nach der goldenen Wiege gegraben haben.

Die Erzählung schmückt seine Erscheinung seltsam aus: Er hätte kohlrabenschwarzes Haar und darunter nur drei weiße Strähnen gehabt. Nach zwei vergeblichen Versuchen fand er beim dritten Mal die goldene Wiege, die er stillschweigend unter seinem Mantel nach Hause trug. Bevor er den Schatz auf seiner Diele niedersetzte, stieß er mit einem Seufzer der Erleichterung ein „Gottloff!" aus. Damit hatte er im letzten Augenblick 3ein Glück verwirkt. Die Wiege verschwand ihm unter den Händen. Er ist der letzte Schatzgräber gewesen.

Diese Sagen vom „Spökelberg" sind in den letzten Jahrzehnten durch den großen Zuzug von Fremden etwas verloren gegangen. Die Reste der ehemaligen Burganlage wurden vor einiger Zeit unter Denkmalschutz gestellt. Sie halten uns den Namen Alberts von Orlamünde im Gedächtnis, aus dessen Regierungszeit ja auch die erste schriftliche Nachricht zu finden ist, die es überhaupt über Schiffbek gibt. Uber den Ort selbst, wie groß er etwa war, wo er gelegen haben mag, und wie es hier aussah, sagen uns weder die Urkunden noch die Burg etwas.
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Was die alten Urkunden berichten
 
Wer einmal Gelegenheit hat, im Hamburgischen Urkundenbuch zu blättern, das Johann Lappenberg durch seine Bearbeitung 1907 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht hat, wird unter den alten und ältesten Urkunden, die uns mehr als 700 Jahre in die Vergangenheit zurückführen, verschiedene Male Schriftstücke entdecken, die Steinbek, Schiffbek oder öjendorf betreffen. Natürlich sind die Nachrichten aus dieser fernen Zeit, in der unsere Ortschaften zum ersten Male in das Licht der Geschichte traten, nur spärlich. Damals pflegten Geistlichkeit und weltliche Fürsten, Ritter und Städte Handel zu treiben mit ganzen Ortschaften und Ämtern oder mit einträglichen Abgaben, mit dem Zehnten, der Gerichtsbarkeit usw.

Kaum läßt sich der häufige Besitzwechsel durch die Jahrhunderte hindurch verfolgen. Den Verkauf oder die Verpfändung, die Rechte, die die neuen Herren sich erwarben, ließen sie sich in Urkunden schriftlich bestätigen. Von einer solchen Schenkungsurkunde haben wir schon erfahren: Im Jahre 1212 hatte Albert von Orlamünde den Zehnten von Schiffbek und der Niederung bei Steinbek der Marienkirche in Hamburg geschenkt. 12 Jahre später, kurz vor seinem Sturze, schenkte er dem Nonnenkloster in Reinbek den Zehnten aus dem eigentlichen Ort Steinbek. Die Steinbeker zahlten ihre Abgaben also an ganz anderer Stelle, als die Nachbarn, die in der „Aldenburch" (heute Ohlenburg am Rande der Sanddünen) oder an anderen möglichen Wohnplätzen in der „Niederung bei Steinbek" wohnten, und als die Schiffbeker.

Auch kirchlich gehörten unsere drei Ortschaften nicht zusammen. Steinbek hatte, auf einem emporragenden Geesthügel neben dem Steinbeker Bach weithin sichtbar, eine eigene Kirche. Es wurde später auch immer „Kercstenbeke" genannt. Aus dem Jahre 1239 wird uns zuerst Kunde, daß Steinbek eine Kirche hat. Die Kirchenbehörde in Hamburg, der damalige Propst Bruno, verlieh dem Nonnenkloster in Reinbek zu den Einkünften aus dem Ort Steinbek auch das Patronatsrecht über die Kirche in Steinbek.  Die Nonnen haben dies Recht bis zur Auflösung ihres Klosters in der Reformationszeit behalten. Die Kirche in Steinbek blickt also auf eine mehr als 700jährige Vergangenheit zurück. Schiffbek und Öjendorf jedoch gehörten damals nicht zum Steinbeker Kirchspiel, sondern waren der Hamburger Jacobikirche unterstellt. Daß die Bevölkerung dieser beiden Ortschaften den 7—8 Kilometer weiten Weg zur Jacobikirche scheute, nachdem im unmittelbaren Nachbarort eine Kirche entstanden war, ist selbstverständlich. Sie stellten bei der Hamburger Kirchenbehörde ein Gesuch um Zuteilung zum neuen Kirchspiel Steinbek, das ihnen erst genehmigt wurde in einer Urkunde aus dem Jahre 1265, in der das „Hamburgische Capitel" gestattete, daß die bisher zum Kirchsprengel St. Jacobi in Hamburg gehörigen Ortschaften Schiffbek und Öjendorf zur Kirche in Steinbek eingepfarrt wurden.

 Mühlen am Steinbeker und Schleemer Bach

In einer weit zurückliegenden Zeit, als man noch ganz auf die Ausnutzung natürlicher Kräfte angewiesen war, hatte das Wasser des Schleemer Baches und des Steinbeker Baches noch große Bedeutung. Beide Bachläufe waren damals viel wasserreicher und wurden mehrere Male aufgestaut, um gewerbliche Mühlen zu treiben. Zwei Stauteiche des Schleemer Baches lagen auf Billstedter Gebiet. Der größere reichte etwa vom heutigen Luisenhof in Öjendorf bis zur Möllner Landstraße. Die dazu gehörigen Gebäude wurden Oberschleems genannt. Der zweite Stauteich ist auf einer alten Kartenskizze deutlich zu erkennen. Er reichte etwa vom Schleemer Hof bis zur Billstedter Hauptstraße, bei der Polizeiwache. Dieser Ortsteil hieß in alten Schriften Unterschleems. Auch der Steinbeker Bach hatte auf Billstedter Gebiet zwei Stauteiche, den einen bei Steinfurth, den zweiten kennen wir heute noch als Steinbeker Mühlenteich.

Versetzen wir uns noch einmal zurück in die Zeit Albrechts von Orlamünde. Der junge Dänenbezwinger Adolf I. von Schauenburg hatte während der Schlacht bei Bornhöved 1227 das Gelübde getan, im Falle seines Sieges der heiligen Maria Magdalena ein Kloster zu stiften und dort als Mönch zu dienen. Zwölf Jahre nach der Schlacht, im Jahre 1239 übergab er seinen zwei inzwischen herangewachsenen Söhnen Johann und Gerhard die Regierung über Holstein und erfüllte sein Gelübde. Die Söhne, als Landesherren im Besitz der in unserem Ort gelegenen Mühlenbetriebe, haben „die Mühle zu Schiffbek'1 im Jahre 1256 an einen Hamburger Bürger verkauft. Es muß sich um die Wassermühle Oberschleems gehandelt haben, denn von einer Mühle ist erst die Rede, und die Wasserkraft ist eher ausgenutzt worden als die Windkraft.

Zwanzig Jahre später, im Jahre 1276, werden in einer Urkunde schon zwei Mühlen bei Schiffbek erwähnt. Beide sind wieder im Besitz des Landesherren. In der Zwischenzeit wird in unmittelbarer Nachbarschaft der Wassermühle auf der Höhe des Geestabhanges am Ufer des Schleemer Baches die Windmühle erbaut worden sein. Der heutige Mühlenweg führte ungefähr darauf zu. Diese Windmühle ist während des letzten Krieges abgebrannt, und an der Stelle, wo sich fast 700 Jahre ihre Flügel drehten, steht heute eine Fabrik für Essenzen und ätherische Ole. 1276 wurde sie zuerst mit der Wassermühle zusammen erwähnt. Beide waren Kornmühlen; denn sie wurden von den Grafen Adolf und Johann angewiesen, dem „Gerardum von Metsendorp", einem Hamburger Bürger, 5 Scheffel Roggenkorn zu liefern. Die Steinbeker Wassermühle wird 1351 erstmalig erwähnt.

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Die alte Papiermühle am Schleemer Bach, »Papp*Mühle« genannt, wurde 1917 abgebrochen.
Die Wassermühlen in Schleems und In Steinfurth sind im Laufe der Jahrhunderte zu mancherlei gewerblichen Zwecken ausgenutzt worden. Im Jahre 1660 erwähnt die Chronik des damaligen Steinbeker Pastors1 eine „Pulvermühle" in Schleems. Mündliche Überlieferung berichtet, daß eine Zeitlang eine Kupfermühle in Betrieb gewesen sein soll, und zuletzt war die Mühle in Unterschleems jedenfalls eine Papiermühle. So wurde das Gebäude, das erst 1917 abgebrochen wurde, noch von der Bevölkerung bezeichnet, obwohl es seit langem nicht mehr in Betrieb war.

Ein breites, anmutiges Bachtal führte von der Hamburger Straße zur Möllner Landstraße.  An der Stelle etwa, wo heute die Klinkstraße über
 
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So sah der Schleemer Hot um 1900 aus. (Wegen Baufälligkeit 1953 abgebrochen.)
den Bach führt, war eine Furt, und dort lag die alte Papiermühle. Dieses 'hübsche Stück Natur mit altem Baumbestand, das durch Gleichgültigkeit und Unverstand verfiel, ist heute mit großen Kosten vom Hamburger. Gartenbauamt zu einer gärtnerischen Anlage umgestaltet worden.
Die Mühle am Stauteich bei Steinfurth wurde im vorigen Jahrhundert fast bis 1900 zur Herstellung von Gerb- und Farbstoffen ausgenutzt. Dann stellte ein Engländer, der die Mühle kaufte, bis zum Weltkrieg pharmazeutische Erzeugnisse her. Sein Nachfolger verkaufte während des Krieges die Maschinen, und seitdem ist die Wasserkraft hier nicht mehr ausgenutzt worden.

Was ist aus den großen Stauseen geworden, die sicher das Landschaftsbild verschönten? Von denn Mühlenteich bei Unterschleems findet mm keine Spur mehr. Er ist in den letzten Jahren des vorigen Jahrhunderts  bei der Regulierung des  Schleemer  Baches zugeschüttet worden. Die Erde nahm man dort her, wo sie leicht zu bekommen war: vom Wall der Schiffbeker Burg. Der Stausee in Oberschleems war wenigstens zum Teil, noch länger im Ortsbild zu finden. An seinem Ufer *wurde 1903 das Schiffbeker Elektrizitätswerk erbaut. Das Billstedter Sommerbad befindet sich etwa in der Mitte des ehemaligen großen Mühlenteiches. Auch dort, wo früher der Steinfurther Mühlenteich sich ausdehnte, soll künftig ein Naturbad ermöglicht werden. Geblieben ist nur der Mühlenteich bei der Steinbeker Wassermühle. Dieser Mühlenbetrieb konnte 1951 auf eine 600jährige Vergangenheit zurückblicken.

Besonders einträglich müssen die handwerklichen Mühlenbetriebe gewesen sein. Ihre Eigentümer holten sich im 18. Jahrhundert berühmte Baumeister der Sonnin-Schule aus Hamburg und ließen sich herrschaftliche Gutshäuser erbauen, die, an den Stauteichen malerisch gelegen und mit Parkanlagen umgeben, zu den schönsten Gebäuden Billstedts gehörten. Leider brannte das Steinfurther Herrenhaus 1930 nieder. Die herrlichen alten Bäume sind der Brennstoffnot der Nachkriegsjahre zum Opfer gefallen. Vom Schleemer Hof stand nur noch das Hauptgebäude, die beiden Seitenflügel waren bereits nach dem Weltkrieg abgebrochen worden. Das baufällig gewordene Hauptgebäude, eines der letzten Zeugnisse aus Billstedts Vergangenheit, fiel 1953 der Spitzhacke zum Opfer.

Kloster und Amt Reinbek

Wo die Bille sich am Sachsenwald vorbei nach Aumühle schlängelt, liegt das alte Mühlenbek. Hier lag der erste Klosterbau des Ordens der Zisterzienserinnen, dem Albert von Orlamünde 1224 den Zehnten von Steinbek schenkte. Die Nonnen zogen bald, im Jahre 1238, in ein neues, bei Reinbek gelegenes Klostergebäude um. Sie verstanden *s, im Laufe des 14. Jahrhunderts teils durch Schenkungen, teils durch Kauf, das gesamte Kirchspiel Steinbek, zu dem damals mehr als 20 Dörfer gehörten, in ihren Besitz zu bringen. 1321 hatte das Kloster den Ort Steinbek durch Kauf an sich gebracht, und Öjendorf war ebenfalls klösterlicher Besitz. Das Dorf Schiffbek hatte der gefürchtete, aus einem bedeutenden Geschlecht stammende Raubritter Johann von Hummersbüttel dem Kloster Reinbek geschenkt? denn Tochter und Enkelin waren Zisterzienserinnen in Reinbek. Von dieser Zeit schreibt sich die enge Verbindung her, die unsere Dörfer an Reinbek fesselte.

Bis zur Reformationszeit war es das Nonnenkloster der Zisterzienserinnen, das über Schiffbek und Steinbek bestimmte. Sehr bald nach Einführung der Reformation in Norddeutschland trat die Priorin zum Protestantismus über. Das Leben der Nonnen verweltlichte. Die Priorin gab verschiedenen Nonnen die Erlaubnis zur Heirat.

„Reinbek war das erste der großen und reichen Feldklöster Holsteins, das in den Tagen der Reformation der Auflösung verfiel." Das gesamte Klostergut war durch die Reformation in die Hände der Landesherrschaft gekommen. Die Nonnen übertrugen es 1529 „gegen eine in Hamburg ausgezahlte Kaufsumme von 12 000 Mark" dem König. Das Gebiet des Klosters Reinbek wurde zum staatlichen Amt Reinbek mit 24 dazu gehörigen Dörfern umgewandelt. Die enge Beziehung zu Reinbek blieb also bestehen.

Auf dem Platz des ehemaligen Klosters erbaute Herzog Adolf 1570/80 das Amtshaus. Die meisten Bauern des Amtes Reinbek waren als Freibauern im Vollbesitz des Grund und Bodens, den sie bebauten. Schleswig-Holstein ist unter den deutschen Landschaften eine der seltenen Ausnahmen, wo sich freie Bauernschaft in großem Umfange weiter erhalten hat. Nur die Gebiete, die das Schicksal hatten, unter eine adlige Gutsherrschaft zu geraten, wurden mehr oder weniger rechtlos, und so kam es zum Teil zu Auswüchsen schlimmster Art in der Behandlung der dem Gutsherrn allmählich leibeigen gewordenen Bauern. In den Gebieten aber, die der Landesherrschaft gehörten, — und dazu zählten auch unsere Ortschaften — blieb die „altfreie Bauernschaft" erhalten.

Aus dem Jahrzehnt „ohngefähr zwischen 1580 und 90 jähr" finden wir in den Steinbeker Kirchenbüchern eine Aufstellung der Höfe aus den einzelnen Kirchspieldörfern.   Da ist angegeben:

„Zu Steinbek 8 Höfe 27 Katen
zu Öjendorf 7 Höfe 8 Katen
zu Schiffbek 8 Höfe 11 Katen,,
(zu Schiffbek gehörten auch beide Schleems)
Die Einwohnerzahl wird in den Kirchenbüchern im Jahre 1634 angegeben.  Danach hatten:
Steinbek 175 Einwohner
Schiffbek 96 Einwohner
Öjendorf 88 Einwohner
Die Höfe Schiffbeks lagen an der Südseite der großen Heerstraße auf dem Geestrande nebeneinander aufgereiht wie in den Marschdörfern und bildeten mit den gegenüberliegenden Kätnerhäusern, die sich an der jetzigen Billstedter Hauptstraße entlangzogen, ein Straßendorf.
Die freien Besitzer hatten an den Landesherrn lediglich öffentliche Abgaben zu entrichten, nämlich den Grafenschatz oder Pflugschatz. Dazu kamen der Zehnte für die Kirche und die Abgaben an den Amtmann in Reinbek, die vom Landesfürsten festgesetzt wurden, nebst einigen Dienstleistungen. Sie waren in normalen Zeiten nicht besonders drückend für die Bevölkerung. Unsere Dörfer teilten sich in die Abgaben und Dienstleistungen mit den übrigen 21 Dörfern des Amtes Reinbek. Wir erfahren darüber genaue Einzelheiten:

Der Amtmann hat „den Genuß von zwei Morgen Wiesenland in der Oldenburg, und sind die Dörfer Steinbek und Schiffbek jetzo wie vorhin schuldig gehalten, dieses Land jährlich zweimal zu mähen, das Heu zu trocknen und nach dem Schloß zu fahren.

Bekommt der Amtmann bei Antritt seines Amtes von jeder Hufe 2 sogenannte Antrittsgelder.

Genießet derselbe fünfzig Faden Deputatholz a 6 Fuß hoch und weit, welche ihm auch aus den herrschaftlichen Forsten unentgeltlich angewiesen, auch von den Untertanen frey gehauen und angefahren werden.

Sind die Untertanen verpflichtet, die gewöhnliche Qualität Torf, nämlich 50 000 Soden, nach wie vor zu liefern.

Sind die Untertanen des Amtes und unter solchen die Brinkkätner zu Steinbek gehalten, zweimal in der Woche die Reinigung des Schlosses und deren Platzes zu besorgen.

Von einer jeden Hufe sollen alljährlich im Herbst zur Jagdzeit an den p. t. Amtmann ein Brot, 4 leib schwer, ein Bund Heu, 12 leib schwer, ein gleiches Bund Stroh und einen Himpten Hafer geliefert werden."

Trotz der Geringfügigkeit der Abgaben wird es im 17. und 18. Jahrhundert, in der Zeit der großen Kriege, nicht immer leicht gewesen sein, diesen Verpflichtungen nachzukommen, besonders wenn Pflugschatz und Zehnter dazukamen.

100 Jahre Not und Krieg und Pest
Das 17. Jahrhundert wurde durch seine vielen Kriege eine schwere Zeit für Holstein, die auch die Dörfer des Amtes Reinbek für lange Jahre in ihrem Wohlstand erschütterte und Armut und Elend über die Bevölkerung brachte. Fünf Kriege mußte das Land über sich ergehen lassen.
Zwei Abschnitte des 30jährigen Krieges spielten sich hier im Norden ab, der sog. kaiserliche Krieg 1625/29 und der schwedische Krieg 1643/45. Dann folgten der Schwedenkrieg 1657/58 und als seine Fortsetzung der „Polackenkrieg" 1658/60. Schließlich zog sich noch ein Teil des brandenburgisch-französischen Krieges 1672/79 durch die Beteiligung Dänemarks und Schwedens nach Schleswig-Holstein.

Schwere Kontributionen, Plünderung, Zerstörung und tödliche Krankheiten, die über die Bevölkerung hereinbrachen, machten dieses Jahrhundert zu einer schweren Leidenszeit für die Dörfer. Die nahe freie Reichsstadt Hamburg und das hamburgische Billwärder haben in diesen Zeiten größter Not immer wieder die schwergeprüften Bewohner unserer Dörfer aufgenommen und ihnen mit ihrer Gastfreiheit geholfen, die Notzeiten zu ertragen.

 

Eine wertvolle Quelle für die Schilderung dieser Kriegswirren bietet uns die Steinbeker Kirchenchronik: „Verzeichniss, Was etwa Denkwürdiges bey dieser Kirchengemeinde von Jahren zu Jahren vorgelaufen", die der damalige Steinbeker Pastor Ananias Hoetenschleb i u s 1627 begann, und die vor allem sein Nachfolger Salomon P e t r i von 1639 bis 1683 führte.

Ananias Hoetenschlebius beginnt seine Aufzeichnungen mit einem Bericht über die ersten Unruhen, die der 30jährige Krieg in unsere Ortschaften brachte. Die Dänen unterstützten in diesen Kämpfen den Protestantismus, daher rückten 1627 die kaiserlichen Heere über die Elbe.

„Als auf den zehnten Sonntag nach Trinitatis das ordentliche Evangelium von der Zerstörung Jerusalems ich durch Gottes Gnade zu erklären angefangen und nunmehr mitten in der Predigt war, ist ein großer auflauf worden, indem jeder Mann aus der Kirchen geflohen und sehr erschrocken, als ob die Kayserlichen schon gar nahe im antritt waren, Bald darauf sind sehr viele Wagen aus aller Orten mit Hausrath beladen nach Hamburg gefahren, das drum gegen abend ich mit meiner lieben Frau und Kindern mich auch außer Steinbek nach Horn begeben, und weil die furcht und der schrecken immer größer worden, und männiglich aus seinem Hause floh, bin ich zwey tage hernach, war den 31. Juli mit den meinen in Hamburg gezogen, allda ich wegen der Kayserlichen macht ganze 15 Wochen verharren müßte .... Den 17. November bin ich mit den meinigen aus Hamburg wiederum nach Steinbek gezogen."

Die kaiserlichen Heere raubten, mordeten und plünderten in den halbverlassenen Ortschaften und zogen nach drei Monaten, geringe Einquartierung zurücklassend, nach Norden weiter. Die Truppen hinterließen aber noch ein böses Andenken:

„Bald nach solchem Abzug ist im Monat Julio Anno 1629 eine Starke Pest sonderlich im Kirchspieldorf Steinbek entstanden, alda insgesamt 50 Personen gestorben."

Diese gefährliche Krankheit raffte mehr als ein Viertel der Bevölkerung dahin.  Neben dem alten Steinbeker Kirchhof, außerhalb der Mauer, befindet sich heute noch an der „Pastorentreppe" ein freier Platz, der
„P e s 11 r i e d h o f" genannt wird. !

In mehreren Friedensjahren konnte die Bevölkerung sich von den Kriegsfolgen wieder erholen, bis die Jahre 1643/45 den Krieg noch einmal in unsere Gegend brachten. Dieses Mal waren es aber rein machtpolitische Interessen Dänemarks, für die Schleswig-Holsteins Bevölkerung bluten mußte. Die Opfer an Abgaben waren sehr viel größer als 1627/29.

,Denn am 23. Dec. hat sich in das Kirchdorf einquartieret ein ganz

Regiment Dragoner    Da ein Haus 30 bis 40 Pferde immer gehabt

und seind stillegelegen 14 Tage bis auf den 7. Januar 1644     Zum  Abzüge mußte dem Obristen von jeder Pfluge 20 Rthlr. und das beste

Pferd gegeben werden  Trotz der schwedischen Einquartierung haben

wir gleichwohl diesen orts bei unseren häusern (wiewohl nicht ohne große Gefahr, weil es viel raubens und plünderns gegeben) verbleiben könnend"

Die schweren Schläge dieser Kriege waren noch nicht ganz überwunden, als mit dem Schweden- und Polackenkrieg erst das wahre Elend in den Amtsdörfern von Reinbek einkehrte. Entfacht wurden diese beiden Kriege durch den Wunsch Karls X. von Schweden, die Großmachtstellung seines Landes im Norden zu befestigen, was Dänemark nicht zulassen wollte.

„1657 hat sich auf's neue das leidige Kriegswesen in diesen Fürstenthümern angesponnen. Der König von Dänemark, durch böse Ratgeber verleitet, rüstete sich mit aller Macht zu Wasser und zu Landt, hatte wi'e man sagt über 40 000 Mann zusammen. "

Etwa 9 Wochen lang hatten die Bewohner der zum Amt Reinbek gehörigen Dörfer für die Verpflegung dieser Regimenter zu sorgen. Schlimmer war aber, daß die Dänen auch plündernd durch das Land zogen. Die Einwohner flohen nach Billwärder, wo sie, weil es hamburgisches Gebiet war, sicher waren. Um ihre Häuser vor Zerstörungen und Schäden zu bewahren und die Dänen bei guter Laune zu erhalten, kamen sie ab und zu ülfer die Bille und brachten Geld und Lebensmittel. Durch glückliche Kriegführung gelang es dem Schwedenkönig, im nächsten Frühjahr (1658) einen Friedensvertrag mit Dänemark abzuschließen, allein niemand war recht mit diesem Vertrag -zufrieden, und eigentlich gingen die Kampfhandlungen ohne lange Unterbrechungen weiter.

Der Abschnitt des Krieges nach dem Friedensvertrag ist bekannt als Polackenkrieg. Auswüchse schlimmster Art in der Behandlung der Bevölkerung brachte dieser Kriegszug mit sich, die das Volk später immer nur mit einem gewissen Schauder an den Polackenkrieg zurückdenken ließen. Ihr Ruf ging diesen Truppen voraus, so daß die Bewohner unserer Ortschaften bei dem ersten Anzeichen vom Herannahen der Heeres-,macht voll Angst wiederum nach Billwärder flohen, das ihnen als Gebiet der reichsfreien Nachbarstadt immer wieder^ Schutz bot.

Im September 1658 schreibt der Steinbeker Chronist: „Da ging das' lermen hiesiger örter abermal an, das die Leute flüchteten und auswichen; ich gleichfalls begab mich mit allen den meinen am 19. Sept. nach gehaltener Predigt in den Kirchwärder .... Es gingen vorher viel starke streifende partheyen die alles raubten und plünderten was sie antrafen .... Am 2. Oct langeten die Pohlnischen völcker 6.000 Mann zu Pferde! allhier in unserem ampte an, welche die Leute, die sie antrafen, splitternackend auszogen, schlugen und übel tractierten. Zwar nur eine Nacht von Sonnabend bis Sonntag .... hatten aber schlecht gehauset: Heu und Stroh und Pferdemist lag kniehoch hier im hause, in Stuben und Kammern alles umbgekehrt, Fenster, Schapper, Kisten und Kasten zerschlagen und zerhauen."

Die nach Billwerder geflohenen Einwohner fanden schlimme Verwüstungen nach dem Abzug der Polen in ihren Häusern vor. Sie blieben vorläufig weiter in Billwerder und taten gut daran; denn keine 14 Tage-später kamen wieder feindliche Truppen, diesmal Österreicher und Brandenburger.

Die jahrelange Kriegführung hatte die Soldaten so verroht, daß sie in einer wahren Zerstörungslust hausten. Krieg war entartet zu Raub, Plünderung und Brandschatzung. Man überließ es den Truppen, für ihre; Verpflegung selbst zu sorgen. Was dabei herauskam, können wir nach den Schilderungen des Steinbeker Pastors ahnen.

„Am 15. Oct. kamen hier die Armeen der alliierten Keyserlichen und Churbrangenburgischen, schätzten sich 30.000 Mann starck .... Auch sie hauseten übel.... Obwohl sie doch Feuerholz genug fanden^ hatten sie die Küche im Backhause und anderes ganz verbrannt. Viele junge Obstbäume, theils abgehauen, theils vernichtet, und die 8 fuder heu, weil: sie auch eine Herde Rindvieh hinten im Garten gehabt verschleppet Als die Hauptarmee vorbei war, gingen fort und fort starcke Parteyen, also daß man in Häusern nicht sicher sein konnte, daher ich mit meinem, gantzen Hausgesinde 16 Wochen lang in Billwärder auf Woffs Hoffe hinter der Schippbeker Burg mich aufhalten müssen."

 

Bis zu schwerer Erschöpfung hatten die Kriege des 17. Jahrhunderts die holsteinischen Dörfer heimgesucht und in erster Linie war es dänische .Machtpolitik gewesen, die das schlimmste Unglück über das Land gebracht hatte.

Die ersten zwei Jahrzehnte des neuen Jahrhunderts brachten dem Lande neuen Krieg, ehe der deutsche Norden in 80jähriger Friedenszeit wieder aufleben konnte. Die lange Kriegszeit von 1700/1721 wird als „Großer Nordischer Krieg" bezeichnet. Dänemark und Schweden, den langjährigen Rivalen um die Vormachtstellung an der Ostsee, trat in Peter dem Großen, der für Rußland einen Zugang zur Ostsee erstrebte, ein neuer Gegner gegenüber. Der gefürchtete und gehaßte schwedische Graf Stenbock landete 1712 auf Rügen und zog nach einigen siegreichen Kämpfen verwüstend und brandschatzend durch Holstein. Ihm nach zogen Russen und Sachsen, die in ähnlicher Weise die Dörfer, in denen sie einquartiert waren, heimsuchten.

„Januar 12. anno 1713 fielen die Russen in großer Menge in Holstein ein, da denn etliche Tausend sich allein in Steinbek legten.... sie verzehrten alles was sie .antrafen. Und noch dazu Ochs, Kühe und Schafe schlachteten, soviel sie wollten."

Nach der Kapitulation Stenbocks im Mai 1713 verließen die Russen und Sachsen unter Peters des Großen Führung wieder Holstein. Noch einmal brach im Gefolge des Krieges, während sich noch die Truppen Dänemarks und Hannovers in Holstein aufhielten, die Pest aus, die auch-hier ihre Opfer forderte.

„Und weil in Hamburg eine Pest sich einfand, wurde diese gute Stadt von dänischer und hannoverscher Seite über ein halbes Jahr besetzt, das niemand weder heraus noch hinein konnte, bis sie endlich im Mayo dieses Jahres (1714) wieder geöffnet, und die nordischen Fußvölker, welche in Steinbek und Öjendorf, sonderlich aber zu Schiffbek über 20 in einem

Hause lagen, mit der Reiterei wieder abzogen. In welcher Zeit die Pest dennoch einige zu Schiffbek mit hinweggerissen."

Hundert Jahre waren mit schweren Kämpfen erfüllt gewesen, als 1721 der Große Nordische Krieg mit dem Friedensvertrag zwischen Schweden und Rußland abschloß.

Das Kirchspiel Steinbek

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Die alte Steinbeker Kirche, 1881 abgebrannt, links die ehemalige Schule.
Die Kirche stand über 400 Jahre lang und hatte im Jahrhundert der großen Kriege Einbruch und Plünderung über sich ergehen lassen müssen. Da fiel sie im Mai 1646 einem Großfeuer, das im Orte wütete, zum Opfer. Der Steinbeker Chronist, Pastor Salomon Petri, schildert un» den Verlauf des Brandes.
„Es hat uns leider ein Unglück diesen Ortes betroffen, indem am 6. May abends zu schwer durch Gottes Verhängnis das Wetter oben in die Turmspitze in den Knopf geschlagen ist .... Da ist es anfangs anzusehen gewesen als eine brennende Fackel (und die Leute in den umliegenden Dörfern meinten, sie sähen in der Luft einen neuen Kometstern) und hat mehr und mehr überhand genommen, bis das ganze Kirchendach elendlich in Asche gelegt worden. Es war keine Hülfe noch Rettung, die-weil es nicht allein an Gerätschaften, Haken, Leitern, Spritzen, sondern an Volk in Anfang mangelte, sintemal ein sehr schweres Donnerwetter war und unterschiedlich schwere Schläge tat. Bald mit dem ersten» Schlag hat sich das Feuer entzündet, und jedermann voll Furcht zu den Seinen eilte, leider dieses Übel, welches wohl die U/2 Stunden überhand' nehmen ließ, ehe aus den nächsten Dörfern mehr Volk zulief. Da mußte man nur mit Trauer ansehen, und an den nächsten Wohnhäusern und auch hier im Pfarrhaus retten und wehren auf den Strohdächern mit nassen Tüchern, wie man könnte, daß das Feur, welches der Wind gewaltig auf's Dach trieb, nicht weiter um sich fraß."

Man ging sofort an den Wiederaufbau der Kirche und konnte das neue Gotteshaus, obwohl der Brand bis auf die Nordwand und die Fundamente alles zerstört hatte, bereits im August desselben Jahres wieder einweihen. Bis zum Oktober des nächsten Jahres baute man am Turm, der beim Neubau aus Stein statt aus Holz aufgeführt wurde. Doch dieser. Turm sollte keine lange Lebensdauer haben. Im Jahre 1703 stürzte er ein. Es dauerte Jahre, bis man einen Hamburger Zimmermann mit dem Bau eines neuen Turmes beauftragte. Der Turm erhielt ein Holzdach mit Eisen beschlagen und eine Bleihaube. Auch diese hübsche, im Jahre 1664 erbaute Kirche mit dem Turm vorn 1707 ist uns nur in einer alten Zeichnung erhalten.

Auch sie wurde ein Raub der Flammen. Die ältesten Steinbeker werden sich noch an den großen Brand im April des Jahres 1881 erinnern, der die Kirche und zwei weitere Gebäude vernichtete. Am Kirchberg nahe bei der Kirche brannte das Haus des Kätners Behn. Der damalige Pastor Petersen berichtet als Augenzeuge, daß aus der Kate ein brennendes Stück Speck oder Schinken auf die Spitze des hölzernen Turmdaches geflogen ist Das Feuer breitete sich schnell aus, und nur weniges konnte aus dem Innern der Kirche gerettet werden.

Die jetzige Kirche, die das Bild des Ortes beherrscht, wurde von dem aus Steinbék stammenden Architekten Ritsch er erbaut und 1883 fertiggestellt.

Die Steinbeker Kirche konnte im Jahre 1939 ihr 700jähriges Bestehen federn. Sie gehört zu den ältesten im Kreise Stormarn, ist vielleicht noch' einige Jahre älter. Doch erfahren wir zuerst über sie, als 1239 der Propst Bruno dem Nonnenkloster in Reinbek das Patronatsrecht über die Steinbeker Kirche verlieh. An derselben Stelle mag vorher eine Kapelle gestanden haben.

Holle und Fritzsch machten Schiffbek bekannt
In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts lebten zwei Männer in Schiffbek, die den Namen dieses Ortes bekannt machten: Der „HochFürstl. HolsteinischGottorf. privilegierte Buchdrucker" Hermann Heinrich Holle und der Hofkupferstecher „Graveur de la Cour de S.A. Impl. Monseig. le Grand Duc de toutes les Russies, Duc regnant de Sleswic-Holstein a Schiffbek", Christian Fritzsch.

Holle war erst 1708 in Hamburg als Buchdrucker ansässig gewesen, mußte 1710 dort fort und siedelte sich in Wandsbek an, bis er nach zwei Jahren auch dort wieder vertrieben wurde und sich Schiffbek als Wohnsitz wählte. Er war den Kirchenbehörden eine unliebsame Persönlichkeit,! die ihn am liebsten ganz aus dieser Gegend vertrieben hätten, ja, sie hielten ihn sogar für gefährlich und ketzerisch. Und das alles nur, weil er mit dem Druck einer Bibel, der sogenannten „Biblia Pentabla", beschäftigt war, den er in Schiffbek dann endlich 1712 beenden konnte.

Diese Bibel war mit Erläuterungen versehen und enthielt auf jeder Seite fünf Spalten von oben nach unten mit einer katholischen, einer lutherischen, einer reformierten, einer jüdischen und einer holländischen' Übersetzung. Weil er dieses Werk nicht aufgeben wollte, wurde er mehrere Male gezwungen, seinen Wohnsitz zu ändern. In der Nähe der Stadt Hamburg wollte und mußte er aber bleiben, um für seine Druckerzeugnisse den nötigen Absatz zu haben. Schiffbek war insofern der geeignete Ort, als er zum Holstein-Gottorfischen Besitz gehörte und Holle sich dort vor den Verfolgungen der Kirchenbehörde sicher fühlte. So blieb er in Schiffbek bis zu seinem Lebensende. Er wurde ein Wohltäter der Gemeinde, dessen Namen in der „Hollestraße" noch geehrt wird, und auch der „Posthornstieg" erinnert an seine Tätigkeit.

Holle entwickelte in Schiffbek eine mannigfaltige Druckertätigkeit. Am bedeutungsvollsten war die Herausgabe einer Zeitung. Schon 1712 bewarb er sich beim Herzog um die Erlaubnis hierzu. Dem Hause Gottorp, das In den Nordischen Krieg verwickelt war, kam dieses Gesuch gelegen. Es erschien ihm wahrscheinlich wünschenswert, ein eigenes Organ zur Vertretung seiner politischen Interessen zu besitzen und es verlieh Hermann Heinrich Holle den obengenannten Titel „Hochfürstl. Holstein-Gottorp. privilegierter Buchdrucker". Holle nannte diese Zeitung, die vom Juni 1712 ab zweimal wöchentlich erschien, das „Schiffbeker Posthorn'\ mit dem Untertitel „Aviso, der holsteinische unpartheyische Correspondent durch Europa und andere Teile der Welt". Dem Blatt war zunächst keine lange Lebensdauer beschieden. Als die schwedische Sache im Nordischen Krieg nach der Gefangennahme Graf Stenbocks schlecht stand und die Dänen wieder Holstein besetzten, durfte die Zeitung nicht mehr erscheinen und wurde erst nach Beendigung dieses Krieges neu gegründet Von 1721 ab erschien sie 10 Jahre lang regelmäßig. Bald nach ihrer Neugründung gab Holle ihr einen neuen Namen:

„Staats- und Gelehrte ordentliche Zeitung des Hollsteinischen unpartheyischen Correspondenten durch Europa und andere Theile der Weit!".

Der Titel besagt, daß die Zeitung politische und kulturelle Fragen behandelte. Vom Jahre 1722 ab erschien sie sogar viermal wöchentlich. Holle empfiehlt sie als „nützlich zu gebrauchen / statt einer Jahreschronik. Weil darin alle Begebenheiten der Welt / so wol was in Kriegs-, Friedens-Und Staatssachen / als auch, was in der Religion / und von denen Gelehrten / sonderlich in Niedersachsen / geschehen / zu finden." Jede Nummer hatte vier Seiten Umfang und wurde in 1600 Exemplaren gedruckt. Sie wurde nicht nur in Hamburg und Holstein, sondern auch in den angrenzenden Provinzen gelesen.

Holles Tätigkeit erschöpfte sich aber nicht im Druck und Verlag dieser Zeitung, er gab auch einen schleswig-holsteinischen Kupferkalender heraus, einen „Comtoir-Kalender", der „vornehmlich den Kaufleuten und Literaten zu Nutz und Bequemlichkeit dienen und anderen ähnlichen Unternehmungen keine Konkurrenz machen sollte".

Holle führte bis 1730 ein arbeitsreiches Leben in Schiffbek. Dann scheint es mit seiner Gesundheit bergab gegangen zu sein. Er fühlte sich nicht mtehr im Stande, seinen vielseitigen Betrieb aufrecht zu erhalten. Als die letzte Zeitungsnummer dieses Jahres erschien, fanden die Leser den Hinweis, daß Holle „wegen zugestoßener beschwerlicher Leibesbeschaffenheit resolvieren müsse und seinen künftigen Eydam, Herrn Georg Christian Grund, Buchdrucker in Hamburg, den Zeitungsverlag und Correspondent gänzlich übergeben, daß also auf Neujahr die Zeitung in Hamburg und nicht mehr In Schiffbek gedruckt und kontinuieret werde". Von da ab erschien sie als „Hamburger Correspondent".

Holle blieb noch sechs Jahre, bis zu seinem Tode, in Schiffbek. Im Jahre 1731 machte er sein Testament, von dem eine Abschrift bei unserer

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Heinrich Holles Wohnhaus und Druckerei, später Schiffbeks erste Schule (einklassig), dann Amts*

und Gemeindehaus (um 1900).

Gemeinde liegt, weil er ihr ein wertvolles Legat hinterließ. Den: wichtigsten Teil gelben wir daraus wieder:

„Herr Gott Zebaoth: Hallelujah! Meinen Herrn Pastor ersuche ich, Hermann Heinrich Holle, herzlich, mit meinem Gott gebe sanften und und seligen Absterben, mir die christliche Liebe zu erzeigen, und folgende meine Verordnung wegen meines Hofes und Wohnungen in Schiffbek, als meinen letzten Willen ohnschwer zu assistieren und ausführen zu helfen.

§ 1. Gott danke ich, der mich allhier in Schiffbek reichlich gesegnet hat, und finde mich daher verpflichtet, Gott folgendes Opfer zu bringen.
5 2. Gebe also meinen ganzen Hof mit allen Wohnungen zum gemeinen Nutzen einer Kinderschule, solchergestalt, daß in dem Vorderhause, darin die Buchdruckerei gewesen ist, die freie Wohnung soll angelegt und beständig (N.B. beständig) darin gelassen und erhalten werden nebst einem Teil des dabey liegenden Gartens für einen Schulmeister. Das übrige nebst denen zwei anderen Wohnungen soll verhäuert, und das Geld theils zur Erhaltung des Baues, theils soweit es sonsten zum Schulnutzen reichen will verwandt werden, und dieses nach Gutbefinden derjenigen, so von hoher Obrigkeit die christliche Aufsicht hierüber wird aufgetragen werden — denn wegen großer Gliederschwachheit kann ich hierfür keine weiteren Verordnungen entwerfen. Nur bitte ich noch
§ 3. dafür zu sorgen, daß jederzeit ein tüchtiger Mann zum Schul-
meister möge erwählt werden, der die Kinder auch (N.B. auch)
in der Rechenkunst unterweisen kann
Schiffbek 1731 im November habe ich Obiges mit großer Mühe in etlichen Tagen eigenhändig geschrieben."
Damit bekam Schiffbek die erste eigene Schule. In Steinbek als Kirchspielort wurde schon 1562 in den ersten Kirchenbüchern der Schulmeister erwähnt. Bis 1883 hat sich die Schule in dem Holleschen Hause befunden, dann wurde das Gebäude für die wachsende Schülerzahl zu klein, es wurde vom Gemeindevorsteher angekauft, und 1907 wurde das alte Haus umgebaut. Der Wohnteil nach der Straße zu wurde ganz verändert, während ein Teil des Hinterhauses, in dem die Werkstatt war, noch heute, zwar recht baufällig, vorhanden ist/am Hause Billstedter Hauptstraße 14. Zu der Holleschen Stiftung gehörte auch noch eine Koppel, auf der später da* Schiffbeker Wasserwerk gebaut wurde.
Der Buchdrucker lebte noch bis zum Jahre 1736. In diesem Jahr finden wir im Steinbeker Sterberegister am 15. November den Vermerk: „Herr Heinrich Hermann Holle, Buchdrucker in Schiffbek, 57 Jahre1".

Außer Holle erwarb sich Christian Fritzsch als Kupferstecher den Ruhm seiner Zeit. Er war aus Sachsen gebürtig, kam aber schon als junger 24jähriger Künstler 1719 nach Hamburg. Wann er nach Schiffbek kam, ist nicht genau bekannt. Er wurde der Kupferstecher des Holstein-Gottorfischen Herzogs Carl Friedrich. Der Herzog, der letzte der Holstein-Gottorfischen Linie, der auf holsteinischem Boden regierte, wies Christian Fritzsch in Schiffbek ein Haus mit einem Garten an. Das Haus steht noch heute, allerdings verwahrlost und ohne den schönen Blumenschmuck, der es noch im Anfang des Jahrhunderts umgab. Es liegt an der Billstedter Hauptstraße 42, weit zurück am Geestabhang.

Fritzsch entfaltete eine reiche künstlerische Tätigkeit in Schiffbek und wurde nach des Herzogs Tod im Jahre 1739 der Hofkupferstecher dessen Sohnes, der durch Heirat russischer Großfürst geworden war. Daher der lange, eingangs erwähnte Titel, den Fritzsch später auf einigen seinen Stiche anbrachte. Bis zu seinem Tode lebte er in rastloser Tätigkeit in unserem Ort Er stach eine große Anzahl Stiche von bedeutenden hamburgischen und schleswig-holsteinischen Persönlichkeiten seiner Zeit und belieferte Buchdrucker und Zeitungsverleger mit seinen Arbeiten. Auch» mit dem Baumeister Sonnin stand er in Verbindung und stach manche seiner Baupläne in Kupfer.

Am 28. Februar 1769 starb er. „Herr Christian Fritzsch von Schiffbek, Großfürstlich Schleswig-Holsteinischer Hofkupferstecher, in Ehestand gelebt 50 Jahre 10 Monat, und sein Alter gebracht auf 73 Jahre 10 Monat 7 Tage" besagt die Urkunde im Sterberegister der Steinbeker Kirche.

Holstein unter dänischer Herrschaft

An der Nordwestseite der Stadt Schleswig erhebt sich der alte, gut gepflegte Bau des Schlosses Gottorp, der heute als Landesmuseum dient und auch das Landesarchiv aufgenommen hat. Seit 1544 war es der Sitz der Herzöge von Holstein-Gottorp. Nach dem Großen Nordischen Krieg verlor das Haus Holstein-Gottorp durch den Friedensvertrag von 1721 seine schleswigschen Besitzungen. Der damalige Herzog, Carl Friedrich, derselbe,

der Hermann Heinrich Holle die Genehmigung zu Druck und Herausgabe einer Zeitung in Schiffbek gab und dem Kupferstecher Christian Fritzsch ein Haus in Schiffbek schenkte und ihn in seine Dienste nahm, war der letzte, der von Schloß Gottorp aus regierte. Sein Sohn wurde durch Heirat russischer Großfürst. Er war dauernd von seinem Herzogtum Holstein abwesend und regierte von Rußland aus. Für das Herzogtum aber war es ein untragbarer Zustand, daß seine Fürsten immer abwesend waren. Das sah Peter III. selbst ein, und im Jahre 1773 schloß er mit Dänemark

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Altes Schiffbeker Bauernhaus

Dieses Haus stand rechts neben der alten Schule und wurde vor dem 1. Weltkrieg durch Brand*

Stiftung zerstört. Besitzer war Fritz Westphalen.

einen Vertrag ab, in dem er auf sein Herzogtum verzichtete. Damit wurden alle Holstein-Gottorpischen Länder unter Dänemarks Herrschaft gestellt. Dänemark setzte einen dänischen Statthalter für Schleswig-Holstein ein, der auf Schloß Gottorp einzog.

Die Dänen benutzten schon die ersten Jahre nach diesem Vertrag, um in den holsteinischen Ämtern eine durchgreifende Agrarreform nach dänischem Muster einzuführen. Sie machten der alten Hufenverfassung mit ihrem Flurzwang ein Ende. „Die Dorfgemarkungen bestanden aus ewigem

Ackerland .... und ewigem Weideland .... Im Amte Reinbek — wozu unsere Dörfer gehörten — soll ewiger Roggenbau üblich gewesen sein."

Zunächst wurde das Land in jahrelanger Arbeit, Dorf für Dorf, mühsam, ausgemessen, und dann wurde bei der Neuverteilung aller gemeinsame Besitz an Weide und Wald, Moor und Heide, der „Allmendebesitz", mit aufgeteilt. Gleichzeitig wurde die Feld-Graswirtschaft eingeführt, überall dort, wo sie sich noch nicht von selbst allmählich als die günstigere Bebauungsart durchgesetzt hatte. Durch diesen Vorgang, die ,,Einkoppelung" der Allmende genannt, wurde viel wertvolles Ackerland gewonnen. Damit entstanden auch in unserem holsteinischen Landschaftsbild als Grenzen der Koppeln, als Schutz für Saat und Vieh, die Knicks, die alle 7 Jahre abgeschlagen — geknickt — wurden. Wir möchten sie heute als charakteristisches Kennzeichen des Landschaftsbildes nicht mehr entbehren.

 

Die ersten Dörfer im Amt Reinbek, die „eingekoppelt" wurden, waren Schiffbek mit Schleeme und Steinbek im Jahre 1777. Zwischen den Dörfern herrschte große Verschiedenheit in bezug auf die Größe des Besitzes, der jedem zugeteilt wurde. Jedoch innerhalb einer Ortschaft wurden die Stellen gleichwertig ausgemessen. Im Jahre 1780 muß die Einkoppelung dieser ersten Dörfer beendet gewesen sein; denn 1781 wurde schon ein anderes Gebiet vorgenommen, unter anderen Dörfern Öjendorf. Die Bauern waren meistens ganz zufrieden mit diesen dänischen Reformen. Die Aufteilung der Allmende war ihnen ein großer Anreiz.

Johann Wilhelm von Archenholz

Vom Oejendorfer Weg aus über den Schleemer Bach nach Oejendorf hinein führt die Archenholzstraße. Sie geht an dem „Luisenhof" benannten Gutshof vorbei. Hier verbrachte der aus Danzig gebürtige Johann Wilhelm von Archenholz von etwa 1800 bis 1812 seinen Lebensabend. Nachdem er schon mehrere Jahre lang in Hamburg gewohnt hatte, kaufte er sich um die Jahrhundertwende das später „Luisenhof" benannte Gebäude.

Archenholz hatte als junger Hauptmann am 7jährigen Krieg teilgenommen. Seiner Verwundungen und seines Leichtsinns wegen wurde» er nach diesem Kriege von Friedrich dem Großen verabschiedet und mußte seine Offizierslaufbahn aufgeben. Er begann ein Reiseleben; England, Frankreich, Italien besuchte er, und als er im Jahre 1780 nach Deutschland zurückkehrte, begann er seine Laufbahn als Schriftsteller. Er schrieb Bücher über die Länder, die er bereist hatte, und gab mehrere Jahre hindurch eine Zeitschrift heraus, „Literatur und Völkerkunde" betitelt. Sein Hauptwerk, das seinen Namen auch heute noch in der Nachwelt lebendig erhält, bleibt „Die Geschichte des 7jährigen Krieges", die 1789 im „Berliner Taschenbuch" erschien. Die letzten Jahre seines Lebens brachte er in Oejendorf zu. Er war bis zuletzt literarisch überaus rege. Am 28. Februar 1812 ist er auf seinem Oejendorfer Gutshof gestorben. Er soll auf dem alten Steinbeker Friedhof bei der Kirche begraben worden sein, doch wurde sein Grab trotz eifriger Nachforschungen niemals aufgefunden. Den Gutshof hat seine Witwe später verkauft. Der Name „Luisenhof" stammt von einem späteren Besitzer. Was etwa an Umbauten vorgenommen wurde, kann nicht mehr nachgeprüft werden.

Marschall »Wut« und die Franzosenzeit

Schwerste Jahre erlebten die Bewohner unserer Dörfer, als das Napoleonische Reich zusammenbrach. Nach dem Russenfeldzug im Jahre 1812 besetzte der berüchtigte Marschall D a v o u s t die Stadt Hamburg, wohl wissend, was der Besitz dieser Stadt seinem Kaiser bedeutete, und entschlossen, sie ihm um jeden Preis zu erhalten. Er scheute keine Strenge* und Gewalttätigkeit gegen die Bevölkerung, um diesen Entschluß durchzusetzen, selbst als die Sache der Franzosen in Deutschland schon verloren war. Der Nachfolger Napoleons, Ludwig der XVIII., befahl ihm) schließlich den Rückzug.

Die Rücksichtslosigkeit bei der Verfolgung seines Zieles hat in der Bevölkerung glühenden Haß hervorgerufen und ihm die Verstümmelung seines Namens in „Marschall Wut" eingetragen. Wenn auch eine spätere objektive Geschichtsforschung ihm Gerechtigkeit widerfahren ließ, so läßt sich doch nicht leugnen, daß große Verheerungen auf seinen Befehl, besonders im Osten vor der Stadt, angerichtet wurden.

Wiederum war es die große Nachbarin Hamburg, durch die Schiffbek seiner Lage wegen in die schweren Kämpfe 1813 und 1814 hineingezogen wurde, wie schon oft In vergangenen Jahrhunderten, seit der Zeit, da der dänische Statthalter Albrecht von Orlamünde In Schiffbek die Burg zur Bezwingung Hamburgs baute. Ging doch über Schiffbek die große Heerstraße, die von Berlin nach Hamburg führte, und auf der dem Marschall Davoust die Gefahr drohte. Er rückte den feindlichen Truppen im Herbst 1813 entgegen und wartete in der Gegend von Schwarzenbek etwa ein Vierteljahr lang auf ihren Angriff. Schließlich fürchtete er, daß die Engländer die Lage ausnutzen würden, um mit Kriegsschiffen einen Angriff von der Elbe her zu unternehmen, und zog sich nach Schiffbek zurück.

 

Nun rückten die Russen sofort nach, und bereits einen Tag später, am 2. Dezember 1813, zeigten sich russische Kosaken in Kirchsteinbek. Davoust selbst zog nach Hamburg weiter, Schiffbek blieb von den Franzosen besetzt. Drei Tage später fand das erste Gefecht zwischen Russen und Franzosen statt in dem ganzen Gebiet von Rahlstedt über Wandsbek bis Schiffbek. Mit Hilfe dänischer Truppen, die Napoleon verbündet waren, konnte das Gefecht ohne Entscheidung beendet werden.

Davoust mußte sich nun auf eine Belagerung in Hamburg gefaßt machen und nahm aus den Ortschaften, die ihm noch zur Verfügung standen, unbedenklich alles, was zur Verpflegung seiner Soldaten nötig war. Da kamen in erster Linie die Dörfer unserer Gemeinde in Frage, die die Franzosen einer außerordentlich harten Requisition unterzogen. Jn Schiffbek nahmen sie fast den gesamten Besitz an Vieh und Getreide. Auch in Steinbek trieben sie 89 Kühe auf einmal fort. Da das Saatkorn schon verzehrt war, und die Magazine nur für Truppen lieferten, verlebte unsere Gemeinde das Weihnachtsfest in bitterem Elend. Dazu mußten verschiedene Gebäude den Verteidigungsmaßnahmen der Franzosen zum Opfer fallen. Bei einem neuen Angriff durch -die Russen am 16. Januar 1814 wurden Wandsbek, Schiffbek und Horn von ihnen eingenommen und die Russen wurden von der Bevölkerung als Befreier begrüßt. Aber die Lage der Einwohner wurde nicht verbessert. Das sollten sie bald merken. Die „Befreier" rissen an sich, was die Franzosen übrig gelassen hatten. Außerdem zitterte die Bevölkerung, daß die Franzosen einen Versuch der Rückeroberung unternehmen würden, der auch in der Tat neun Tage später erfolgte. Es wurde mit großer Erbitterung gekämpft. In Schiffbek kam es zu Straßenkämpfen und mehrere Gehöfte gingen in Flammen auf.

Trotzdem gelang es dem Marschall nicht, die verlorenen Ortschaften wieder einzunehmen.

Die Not der Bevölkerung steigerte sich noch; denn zu der Hungersnot kamen bittere Kälte, Räubereien und Diebstähle durch die Soldaten, biä die russischen Befehlshaber scharf gegen dieses Treiben vorgingen.

Die Franzosen zogen zwar am 18. Mai des Jahres 1814 ab, russische Truppen lagen aber noch bis zum Jahresende in den meisten Dörfern des Amtes Reinbek, jedenfalls in Schiffbek, Schleeme, Öjendorf und Steinbek. Jeder Hufner hatte 20 Mann, jeder Halbhufner 10 und jeder Kätner 5 Mann in seinem Hause.

Eine lange Reihe von Jahren war nötig, bis die Bevölkerung sich von der Franzosenzeit und ihren Folgen erholt hatte.

Schiffbek als Ausflugsort

Um die Mitte des Jahrhunderts hatte sich Schiffbek nach den Zerstörungen der Franzosenzeit wieder zu einem hübschen Ort entwickelt Sieben große strohgedeckte Bauernhäuser reihten sich an der Südseite der Hamburger Straße aneinander, dazwischen standen die Schule — die ehemalige Holle sehe Buchdruckerei — und die Fiedlersche Erziehungsanstalt, ein Knabeninstitut, das in dem Hause des ehemaligen Kupferstechers Fritzsch eingerichtet worden war (in den 70er Jahren etwa wurde dies letztere Gewese von einem Hamburger Großkaufmann als Sommersitz gekauft). Bis 1943 stand von diesen damaligen Strohhäusern nur noch das 1830 gebaute Gehöft an der Billstraße, das früher das letzte Haus des Dorfes war. Nach der Hamburger Straße zu wurden die Häuser von Linden umsäumt. Hinter den Häusern erstreckten sich die Gärten bis nach der Bille hin, reich mit Obstbäumen bepflanzt. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite war am Anfang des Dorfes (von Hamburg aus) in den letzten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts die große Wirtschaftsanlage von Ritscher entstanden, das Gasthaus zum „Schleswig - Holsteinischen Wappen", das einen großen parkartigen Garten hatte.

Nachdem sich Hamburg und seine Umgebung von den Zerstörungen der Franzosenzeit erholt hatten, setzte an Sonn- und Feiertagen ein lebhafter Ausflugsverkehr nach Schiffbek und den umliegenden Billedörfern ein. Die Städter kamen zu Landpartien bis nach Schiffbek, Steinbek und Billwärder heraus und stiegen in den Gasthöfen bei Ritscher in Steinbek, dem im Jahre 1624 gegründeten „Alten Krug", oder bei Ritscher in Schiffbek im „Schleswig-Holsteinischen Wappen" ab. Viele Hamburger Patrizier-und Kaufmannsfamilien wohnten den ganzen Sommer über drüben in Billwärder. Am Ufer der Bille entlang, etwa von der Roten Brücke bis zur Blauen Brücke, lagen die Sommersitze Hamburger Familien, erbaut im 17. und 18. Jahrhundert, inmitten von wunderschönen, damals berühmten Gärten, mit seltenem, reichem Baumbestand.

Um diesen regen Ausflugsverkehr auszunutzen, war bei der Blauen Brücke noch ein ganz besonderes Unternehmen entstanden. Jeden Sonntag des Jahres 1841 lief ein Strom von Schaulustigen nach Horn hinaus nach dem großen Gartenlokal „Zum letzten Heller". Von der Horner Landstraße bis zur Bille zog sich hier der großartig angelegte, zum Lokal gehörige Park hin, in dem ein unternehmungslustiger Mann, der ehemalige Tierbudenbesitzer Schädel Heinrich Berg einen Tiergarten eingerichtet hatte, bevor es in Hamburg einen Zoo und in Stellingen Hagenbecks Tierpark gab. Das Gelände, das ihm zur Verfügung stand, war etwa zwei Hektar groß, und er hatte es in der geschicktesten Weise' ausgenutzt. Unter anderem hatte er dort „Bären, Panther, Hyänen, Wolfe, einen Zwinger mit Affen und Halbaffen, ein Gehege für Lamas, Känguruhs und Kamele, auch Krokodile und Schlangen fehlten nicht. Mitten im Park war ein Teich mit einer schattigen Insel für Schwimmvögel und Pelikane".

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Blick vom Holsteinischen Geestrand auf das Billgelände bei der Roten Brücke.  Nach einem Stich von 1770 aus der Sammlung »Auserlesene Nord'Albingische Lustgegenden«.

 

Leider konnte Berg sein Unternehmen trotz des anfänglich starken Besuches nicht lange halten. Ein. Jahr nach der Eröffnung wütete der große Hamburger Brand, und die nächsten Jahre brachten Mißernten und Teuerungen. Der Besuch des Tiergartens ging Immer weiter zurück. Berg schränkte seinen Tierbestand immer mehr ein, bis er im Jahre 1845 gezwungen war, ihn ganz aufzugeben. 1880 brannte auch der Krug „Zum letzten Heller" ab.

Zwei Jahrzehnte vergingen, bis der Ausflugsverkehr nach unseren Dörfern wieder reger wurde. Wer kein eigenes Fuhrwerk hatte, mußte allerdings weite Wege zu Fuß machen. Der Omnibus fuhr nur bis Horn, das noch hamburgisch war. Der kleine Pferde-Omnibus Horn—Schiffbek— Steinbek, an den sich manche Billstedter noch erinnern werden, bestand noch nicht. Dafür wurde der Versuch gemacht, Dampferlinien auf der Bille einzurichten. Die verschiedensten Unternehmungen wurden gestartet, zuerst im Jahre 1866 bis zur Blauen und später bis zur Roten' Brücke. Diese Dampfer fuhren wochentags einmal, sonntags alle drei Stunden die Bille aufwärts. Durch die vollbesetzten Dampfer am Sonntag konnte sich das Unternehmen zwei Jahre lang halten, mußte dann aber den Betrieb einstellen. Einige andere Linien versuchten einen kurzen Sommer über den Flußverkehr neu zu beleben, so 1874 und 1884, ebenfalls ohne dauernden Erfolg. Als dann von 1888 ab eine Schiffahrtslinie ihre Fahrten bis zur Billwärder Kirchenbrücke ausdehnte, schien das Unter.-' nehmen gesichert, und er hielt seine Fahrten auch wirklich vier Jahre lang aufrecht.

 

Wer heute an der Bille entlang geht, wird sich über einige Rammpfähle wundern, die hier und dort scheinbar sinnlos im Wasser stehen, nahe den Ufern, an ehemaligen Anlegestellen der Billedampfer. Wer traut unserem schläfrigen Fluß zu, daß er noch vor 60 Jahren regelmäßig Ausflügler mit Dampfschiffen in unsere Gegend gebracht hat? Wie hübsch es hier gewesensein mag, als unsere Ortschaften noch in dörflicher Abgeschiedenheit Anziehungspunkte der Städter gewesen sind, mag eine Zeichnung ahnen lassen, die uns die Bille von der Roten Brücke aus zeigt.

Wildschütz Hans Eidig

Wer war Hans Eidig? Vor etwa hundert Jahren nannte jedes Kind in unserer Gegend seinen Namen, und auf den Steinbeker und Schiffbeker Jahrmärkten wurde ebenso gut wie an anderen Orten das Bänkelsängerlied zum Besten gegeben:


„Der Wildschütz Eidig war ein Mann mit selt'nem Geist und Gaben, doch wandte er sie leider an der Obrigkeit zum Schaden."
Bis vor wenigen Jahren stand am „Letzten Heller" ein hübsches kleines Gasthaus, ein Fachwerkbau, das letzte Haus auf Schiffbeker Boden, das die älteren Einwohner unserer Ortschaft nach mündlicher Überlieferung als einen der vielen Schlupfwinkel Hans Eidigs bezeichneten. Heinrich Dräger, Johannes Suck und andere haben zeitgenössische Berichte erhalten, in denen sich Sage und Wirklichkeit mischten, die aber doch ein übereinstimmendes Bild ergeben. Der Hamburger Maler Otto Speckter hat den jungen Burschen im Bildnis festgehalten, das ihn mit kecker, etwas aufgestülpter Nase, flottem Bärtchen und herausfordernd aufgeworfenen Lippen zeigt, die Bieberfellmütze schief auf dem Kopfe. So vmag er die Obrigkeit bei ihren vielen fruchtlosen Versuchen, ihn zu ergreifen, zum Narren gehalten haben.
Als Sohn eines Forstmannes 1804 in Klein-Klecken geboren, war in ihm von frühester Jugend an die Jagdleidenschaft wach. Das Jagdrecht war aber ein Vorrecht der Landesherren, Adligen und Klöster. So ergab er sich der Wilddieberei. Zehn Jahre lang lebte er, wie es ihm gefiel, und wechselte ständig sein Jagdrevier. Bald war er im Hannoverschen, bald im Lauenburgischen, bald im Holsteinischen. In unserer Gegend waren Hahnheide und der Sachsenwald seine liebsten und ergiebigsten1 Reviere: Wildschweine, Hirsche und Rehe waren hier In so reichem Maße vorhanden, daß sie für den Bauern eine Plage waren und ihm großen Flurschaden zufügten.

Hans Eidig ging so dreist und doch so geschickt zu Werke, daß bald1 alle auf ihn aufmerksam wurden. Während die Bauern mit heimlicher Genugtuung von ihm sprachen, stellten ihm Jägerei, Polizei und Militärbehörde in ohnmächtiger Wut nach. Der Wildschütz hatte einen großen Kreis von Gesellen um sich versammelt, die Nacht für Nacht fortschleppten, was

£idig geschossen hatte. Die Bauern gewährten seinen Leuten Unterkunft» gaben sie als ihre Knechte aus und halfen so, die Obrigkeit zu narren. Eidig war nicht nur bei ihnen beliebt, weil er das lästige Wild verminderte, sondern auch wegen seiner Pfiffigkeit und Anständigkeit. Unehrenhafte Handlungen unter seinen Gesellen, besonders Diebstahl, wurden von
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(Nach einer zeitgenössischen Lithographie von Otto Speckter)
ihm schwer bestraft. Er lieferte den Armen manchen schmackhaften Wildbraten und hielt die Schonzeit der Tiere streng ein.

Eine willige Abnehmerin für die reiche Jagdbeute war die nahe Stadt Hamburg. Die Bauern selbst schafften ihm gelegentlich sein erjagtes Wild in die Stadt, wenn sie mit ihren landwirtschaftlichen Erzeugnissen dorthin fuhren.

Nicht immer konnte ihn die verschwiegene Mithilfe der Bauern vor dem Arm der Obrigkeit retten. Manchmal mußte er es durch einen verblüffenden und kühnen Einfall selbst tun. Dräger erzählt, daß Eidig eine» Nachts von seiner ausgestellten Wache geweckt wurde, weil eine ganze Schar Gendarmen und Jäger anrückte, die durch Verrat eines ungetreuen und durch Eidig bestraften Gesellen auf seine Spur gekommen waren. Eidig und seine beiden Spießgesellen stürmten daraufhin aus der Tür, in jeder Hand eine Pistole, und der Wildschütz rief den Jägern und Gendarmen zu: „Gonnabend, min Herrn! Nu makt mal'n beet'n Platz!" Die Leute sprangen zur Seite und Eidig lief mit seinen Gesellen in den Wald.

Diese Begebenheit ist nur verständlich, wenn man weiß, daß Eidigt über eine sagenhafte Treffsicherheit verfügte.  Er soll seinen Verfolgern

zum Spaß Knöpfe von der Uniformen, Kugeln in die Stiefelabsätze und durch die Mütze geschossen haben. Sein Anblick mit zwei geladenen Pistolen in den Händen genügte, um panischen Schrecken unter seinen Verfolgern hervorzurufen.

Bald wurde unter Freunden und Feinden gemunkelt, daß seine Treffsicherheit nicht mit rechten Dingen zuginge, daß er mit „dem Bösen" in Verbindung stände, der seine Kugeln eigenhändig um Mitternacht mit drei Tropfen von Eidigs Blut und dem Blut einer schwarzen Krähe vermischt gösse, so daß die Kugeln magische Kraft hätten.

So trieb Eidig zwischen seinem 20. und 30. Lebensjahr sein Wesen in allen umliegenden Wäldern und mag manche Nacht in dem kleinen Häuschen an der Grenze von Schiffbek und Horn zugebracht haben. 1834 soll1 ihm der Amtsvogt ein ungewöhnliches Angebot gemacht haben: Er wolle ihm das Reisegeld und eine hübsche Summe dazu geben, wenn Eidig außer Landes nach Amerika ginge. Vor seiner Abreise soll Speckter ihn in. Hamburg gezeichnet haben.

Die Entwicklung zur Arbeiterwohngemeinde

Di2 ländliche Abgeschiedenheit und Idylle unserer Billedörfer im 19. Jahrhundert konnte auf die Dauer neben der aufwärtsstrebenden Großstadt nicht erhalten bleiben. Schon die letzten Jahrzehnte des vorigen Jahrhunderts brachten die einschneidendsten Veränderungen.

In den 70er Jahren bestanden erst wenige kleinere industrielle Anlagen in der Gegend. Auf der Billwärder Seite der Bille befand sich eine kleine Maschinenfabrik verbunden mit einer Gießerei und einer kleinen Kesselschmiede. Am „Blauen Brückenweg" war eine chemische Fabrik. Einige Arbeiter aus dieser Fabrik hatten sich an dem kleinen Weg neben der großen Heerstraße, der damals „Im Schiffbeker Grund", heute „Am Schiffbeker Berg" heißt, angesiedelt.

Auf Schiffbeker Gelände entstand 1876 die erste Industrieanlage, die von L. G. G. Uliner neben der „Burg" erbaute Farbholzmühle. Sie arbeitete zunächst nur mit 17 Arbeitern. Diese wenigen Industrieanlagen konnten noch keine entscheidenden Veränderungen auf unseren Ort zur Folge haben.

Allmählich aber wuchsen die Hamburger Industrieanlagen von Hammerbrook aus immer weiter am Billelauf entlang nach Billwärder zu. Wenige Jahrzehnte war es erst her, daß durch die Trockenlegung des Hammer Brooks hier die nötigen Vorbedingungen für eine Industrie geschaffen wurden. Bis 1840 waren die Ländereien des Hammer Brooks fast nur als Viehweide nutzbar, sumpfig und oft bis Juli hin von den Elbwassern überflutet. Ein englischer Ingenieur, Lindley, entwarf Pläne zur Trockenlegung des Brooks. Ein Damm sollte ihn in zwei Teile zerlegen. Danach sollte er durch ein Schöpfwerk entwässert werden. Ein Kanalsystem und eine Schleusenanlage, die Brandshofer Schleuse, sollten ein für alle Mal das Überfluten des Hammer Brooks verhindern. In einem Jahrzehnt war durch Lindleys Plan auf dem Brook ein wertvolles Industrie- und Baugelände! geschaffen worden, wo schon 1851 die ersten Industrieanlagen gebaut wurden.

Im letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts wurde damit begonnen, den Billbrook der Industrie aufzuschließen. Das ganze Gelände zwischen Billwärder und dem Damm der Bergedorfer Bahn wurde aufgehöht. Zunächst verwendete man dazu das Baggergut, das man bei der Vertiefung der

Hamburger Häfen gewann. Zehn Jahre lang wurde mit Spülbaggern die Baggermasse auf die Billwärder Wiesen gepumpt. Zur weiteren Befestigung des Grundes wurden aus den Boberger Dünen riesige Sandmassen abgetragen und im Billbrook aufgeschüttet Noch vor dem ersten Weltkrieg konnten hier mehrere Industrieanlagen errichtet werden.

Inzwischen hatte die 1881 gegründete Vereinigte Jute-Spinnerei und Weberei an der Bille einen großen Bauplatz erworben, der ehemals von der Gemeinde als Schweineweide benutzt worden war, und hier eine Fabrik gebaut. 1883 war die Fabrik fertiggestellt, und es konnte mit der Fabrikation begonnen werden. Mit dem Bau der Jutefabrik beginnt die Entwicklung Schiffbeks vom Dorf zum Arbeiterwohnort. Sie \war die erste größere Fabrik hier und leitete die ganze folgende Entwicklung ein. Die Jutefabrik begann mit 500 Arbeitern. Aber bis 1889 war die Arbeiterzahl bereits auf 1200 angestiegen. Nun galt es, den in Schiffbek tätigen Arbeitern Wohnungen zu schaffen.

Bei der Beschaffung von Wohnungen für ihre Arbeiter ging die Jute<-Fabrik selbst tatkräftig vor. 1888 begann sie, für ihre Arbeiter Werkwohnungen zu bauen, die sogenannten Spinnhäuser an der Möllner Landstraße und bis zur Billstedter Hauptstraße hin. Die Wohnungen enthielten 1-2 Zimmer und Küche und wurden den Arbeitern für 2-3 Mark wöchentlicher Miete überlassen. Den Spinnhäusern an der Hauptstraße vorgelagert baute die Fabrik ein Kinderheim, verbunden mit einer „Juteschule". Die Juteschule wurde 1889 eingerichtet. Hier wurden Kinder vom 13. Lebensjahre ab, die ausserdem schon als jugendliche Arbeiter in der Fabrik beschäftigt waren, unterrichtet. Die Juteschule wurde 1893 aufgehoben, als die Kinderarbeit gesetzlich eingeschränkt wurde. Das Kinderheim blieb bestehen. Kurz vor dem Weltkrieg wurde es zu einem des vorbildlichsten Kindertagesheims von der Fabrik aus umgebaut und erhielt sein heutiges Gesicht. 1932 erwarb die Gemeinde das Gebäude und brachte die Gemeindeverwaltung darin unter, die sich noch dort befindet.

 

In den Jahren 1891-1894 wurde der Posthornstieg bebaut, ehemals Max-Meyer-Straße, nach dem damaligen Direktor der Jutefabrik benannt. In jedem der genannten Jahre entstand ein Block mit Wohnungen. Diese Wohnungen enthielten für Familien mit mehreren Kindern 3 Zimmer mit Küche, die Miete betrug ebenso wie bei den ersten Wohnungen, 2-3 Mark wöchentlich. Für ihre Werkmeister und gehobenen Arbeiter ließ die Jutefabrik im Jahre 1900 an der Lindenstraße und Mittelstraße Eigenheime bauen, mit 4-6 Zimmern und Küche. Die Miete betrug 4 Mark und eine gleich hohe Amortisation, wöchentlich also 8 Mark. Die Baukosten wurden in zehn Jahren amortisiert.

Diese Bauten der Jutefabrik genügten natürlich nicht, um die dringende Wohnungsnot zu beseitigen. Außerdem bemächtigte sich das private Unternehmertum des Wohnungsbaues. Im ehemaligen Dorf Schiffbek wurde der Rahlstedter Weg mit Wohnblocks bebaut, in der Hauptsache entwickelte sich der Ort aber nach Osten hin an den beiden Hauptstraßen, der jetzigen Billstedter Hauptstraße und der Möllner Landstraße entlang. Die Baufreudigkeit war außerordentlich groß. 1901 entstand ein „Spar-und Bau-Verein für Schiffbek und Steinbek und Umgegend", der mit 21 Mitgliedern anfing und gleich eine verhältnismäßig rege Bautätigkeit entwickelte. In den Jahren 1902, 1903 und 1905 baute er an der Möllner Landstraße je ein Mietshaus mit 7, 8 und 10 Wohnungen. In den Jahren 1901/02, 1905/06 und 1908/09 entstanden Eigenheime an der Baustraße und an der Steinstraße, in Steinbek an der Marktstraße und in „Kamerun". Die Anzahl der Mitglieder hatte sich inzwischen verfünffacht. Durch diese

Bautätigkeit, die der Jutefabrik, die des privaten Unternehmertums und die des Bauvereins, konnte die Wohnungsnachfrage befriedigt werden. Im Oktober 1903 finden wir sogar in der Schiffbeker Zeitung die Notiz: ,,In diesem Sommer ist die Bautätigkeit in unserem Ort so rege gewesen, .... daß augenblicklich über 100 Wohnungen leer stehen." Leider waren das fast ausschließlich sehr minderwertige Wohnungen.

Die Bautätigkeit der wenigen Jahrzehnte von den 90er Jahren bis zum Ausbruch des Weltkrieges hat genügt, um aus dem beliebten dörflichen Ausflugsort das verachtete Schiffbek zu machen. In derselben Zeit verloren sich die schönen strohgedeckten Bauernhäuser aus dem Bilde Schiff-beks. Verschiedene Brandkatastrophen legten sie in Asche, „moderne" Häuser wurden an ihrer Stelle wieder aufgebaut. Die alten Hamburger Patrizierhäuser in Billwärder gegenüber Schiffbek waren von ihren ehemaligen Besitzern zu Beginn der Industrialisierung verlassen worden. Sie wurden durch Umbauten zu Kleinwohnungen für mehrere Arbeiterfamilien gemacht oder auch Gewerbezwecken zugeführt. Die schönen Gärten verwilderten. Schließlich wurden die Häuser abgebrochen, um großen Fabrikanlagen Platz zu machen; denn die industrielle Entwicklung, einmal begonnen, nahm unaufhaltsam ihren Fortgang, bis sie durch den Weltkrieg für eine Zeitlang unterbrochen wurde.

Mit der Ausbreitung der Industrie ging die Ausweitung des Ortes Hand in Hand. Am besten zeigen uns Zahlen, in welchem Maße die Bevölkerung des Ortes anwuchs. Die Einwohnerzahl Schiffbeks, die 1847 mit 500 anr gegeben wird, war 1885 (nach Gründung der „Jute"!) auf 1652 angestiegen, stieg bis 1890 weiter auf 3840 Einwohner und hatte 1925 die Zahl 8786 erreicht. Betrachtet man vergleichsweise die Bevölkerungsziffern von Steinbek und Oejendorf, so stellen wir in Steinbek in den Jahren 1890 bis 1925 einen Bevölkerungszuwachs von 1377 auf 2154 Einwohner fest, In Oejendorf von 509 Einwohnern im Jahre 1890 auf 687 Einwohner im Jahre 1925. Als Ortsteil, der sich vorwiegend ländlichen Charakter bewahrt hatte, zeigt Oejendorf den geringsten Bevölkerungszuwachs.

Das rasche Anwachsen der Schiffbeker Bevölkerung stellte auch die öffentliche Bautätigkeit vor immer neue Aufgaben. Schon 1883 genügte das kleine zweiklassige Schulhaus, das Holle der Gemeinde gestiftet hatte, nicht mehr. In diesem Jahre wurde das Gebäude mit dem Garten verkauft und dafür ein Grundstück an der Billstedter Hauptstraße erworben. Was noch übrig war von dem Erlös des Holleschen Hauses, wurde

zum Bau des neuen Schulhauses mit verwandt. Es folgten 1897 und 1901/02 die Schulhäuser an der Möllner Landstraße. Zu Ostern 1904 waren 21 Klassen mit rund 1400 Schülern eingerichtet. Zu der Zeit plante man den Bau eines Schulhauses für die katholischen Schüler; denn etwa 12o/o der Schiffbeker Einwohner waren katholische Ausländer, in der Regel aus Österreich-Ungarn eingewandert. Diese Schüler wurden 1904 in dem neuen Schulhaus an der Heinrichstraße (heute Hertelstieg) zusammengefaßt.

Je mehr Schiffbek in städtischer Weise bebaut wurde, desto mehr machte sich das Fehlen sanitärer und anderer Anlagen der öffentlichen Versorgung bemerkbar. Es gab keine Wasserleitung und keine Sielanlagen für die Abwässer, keine Gasversorgung und kein elektrisches Licht, und nicht zuletzt ließ der Straßenbau sehr zu wünschen übrig. Fast waren es zu viele Anforderungen für die arme Gemeinde Schiffbek; denn arm war die Gemeinde, es waren nicht die zahlungskräftigsten Steuerzahler, die Schiffbek so plötzlich bevölkert hatten, und die nahe Großstadt, auf deren Nähe doch das Anwachsen des Ortes zurückzuführen war, zahlte keine Beihilfen zu den Lasten der Gemeinde, wie es doch in Preußen hier und da geschah.

Nacheinander ging die Gemeinde an die Aufgaben der öffentlichen Versorgung heran, vor denen sie sich nicht verschließen konnte. Man begann 1903 mit dem Bau eines Elektrizitätswerkes, das bei dem größeren de* beiden Stauteiche an der Nordseite der Möllner Landstraße entstand. Der Teich wurde vier Jahre später trockengelegt. Leider, denn er verschönerte nicht nur das Bild des Ortes, sondern er war auch ein ergiebiger Fischteich gewesen und der Aufenthaltsort einer Anzahl Schwäne, die man nach der Trockenlegung bei der Roten Brücke aussetzte.

Sieben Jahre später, im Jahre 1910, ragte in unmittelbarer Nachbarschaft des Elektrizitätswerkes schon der Gasbehälter auf.

Kurz nach Fertigstellung des Elektrizitätswerkes standen die Fragen um den Anschluß Schiffbeks an das Verkehrsnetz im Mittelpunkt des öfffentlichen Interesses. Fast zu gleicher Zeit tauchten zwei Pläne auf. Der erste betraf den Bau einer Eisenbahnlinie durch Südstormarn, die an Steinbek und Schiffbek vorbeiführen sollte, für Personenverkehr* den Anschluß an die Bergedorfer Bahn bei Tiefstack finden und für Güter bis Rothenburgsort geleitet werden sollte. Der zweite Plan erwog eine Verlängerung der Hamburger Straßenbahn vom ,,Letzten Heller" in Horn, dem damaligen Endpunkt, bis zum „Roten Brückenweg" in Unterschleeme, so daß Schiffbek und Steinbek Vorteil davon hätten. Es bestand nämlich als einzige Fahrgelegenheit nach Schiffbek und Steinbek eine etwas kümmerliche Omnibusverbindung, die selten benutzt wurde.

Während optimistische Gemüter schon in der „Schiffbeker Zeitung" berechneten, wann die neue Verkehrsverbindung eröffnet werden könnte, zerschlug sich der Bau einer Straßenbahnlinie vorläufig ganz wieder. Das
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Pferdeomnibus vor der Eröffnung der Straßenbahnlinie Ende Mai 1914.
Projekt der Kleinbahn, aber setzte sich nach jahrelangem Kampf endlich durch. Im Dezember 1907 konnte die „Südstormarnsche Kreisbahn" die am 15.Märzl952 ihren Betrieb für den Personenverkehr wieder einstellen mußte, eröffnet werden. Der Wunsch nach einer Straßenbahn wurde immer wieder wach, bis er kurz vor dem Weltkrieg in Erfüllung ging. Im Mai
1914 konnte die neue Straßenbahnlinie, die bis zur Ecke Möllner Landstraße/Billstedter Hauptstraße geführt worden war, dem Verkehr übergeben werden.

'Viele Klagen wurden im Anfang des neuen Jahrhunderts immer wieder laut über den Zustand der Straßen. Selbst Straßen, die sich zu' Hauptstraßen zu entwickeln begannen, wie die Möllner Landstraße, waren nur schlecht gepflasterte Dorfwege, auf beiden Seiten von Gräben für die Abwässer begleitet. Zeitweise waren manche Straßen völlig unpassierbar. Ein Spaßvogel schlug im „Schiffbeker Lokalanzeiger" vor, für die Schiffbeker müßten zum Passieren der Straßen eine Art von „Schlickrutscherschuhen" erfunden werden.

Bei den vielen Bauaufgaben, die alle gleichzeitig ihre Anforderungen an die Gemeinde stellten, überstieg es ihre Kräfte, hier sofort Abhilfe zu schaffen. Gut in Stand gehalten wurde eigentlich nur die Billstedter Hauptstraße, die damals an beiden Seiten mit Bäumen bepflanzt war. Ihr Straßenpflaster wurde, da sie Reichsstraße war, immer wieder ausgebessert. Dagegen dauerte es noch etwa 3 Jahre, bis mit dem Ausbau eines Teils der Möllner Landstraße begonnen wurde, der Strecke, die durch den Ort führte. Die zweite Strecke nach Steinbek und Oejendorf hin wurde erst 1912 vollendet.

Viele Notstände waren so im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts schon beseitigt worden. Noch mangelte es aber an einer Versorgung der Bevölkerung mit reinem, destillierten Wasser und an einer Anlage für die Abwässer. Die hohen Kosten waren der Abhilfe dieses dringenden Bedürfnisses immer wieder in den Weg getreten. Im Jahre 1912 entschloß die Gemeinde sich, mit dem Bau eines Wasserwerkes an der Ecke Oejendorfer Weg und Archenholzstraße zu beginnen., auf der Koppel, die Holle der Gemeinde vermacht hatte. Nach einem Bohrversuch war hier eine außerordentlich ergiebige Quelle entdeckt worden, die nicht wieder zum Stehen gebracht werden konnte, sondern den ganzen Winter über, bevor mit dem Bau begonnen werden konnte, aus der Erde »hervorsprudelte. Die neue Straße, die hier beim Wasserwerk entstand, wurde 1927 Hollestraße benannt. Ende Oktober 1912 konnte schon ein Teil des Werkes in Betrieb gesetzt werden.

Das Werk wurde eingerichtet für 25 000 bis 30 000 Einwohner, um auch bei einer Zunahme der Bevölkerung und Steigerung des Wasserverbrauches noch die nötige Wassermenge liefern zu können.

Dagegen zögerte man den Bau einer Siel- und Kläranlage der Schwierigkeiten und der hohen Kosten wegen noch weiter hinaus, obwohl erheb-» liehe Mißstände eingetreten waren. Industrielle und andere Abwässer wurden einfach in die Bille geleitet. Der hübsche Fluß wurde verunreinigt, und es setzte ein großes Fischsterben ein. Der Hamburger Staat beschwerte sich über die Verunreinigung der Bille und drängte auf Abhilfe, „Unerträgliche, widerliche Gerüche herrschten", wie die Zeitung schrieb, an manchen Tagen in Schiffbek, die von den Sammelstellen der Abwässer herrührten. Als 1913 wieder die Verlängerung der Straßenbahn bis Schiffbek erwogen wurde, machte der Hamburger Staat die Genehmigung abhängig von einem Vertrag, in dem Schiffbek sich verpflichtete, innerhalb von 5 Jahren ein von Hamburg ausgearbeitetes Kanalisationsprojekt durchzuführen. Durch den Weltkrieg mußte die Ausführung unterbleiben. Erst viele Jahre nach dem Weltkrieg, im Jahre 1930, wurde von Hamburg aus wieder auf die Erfüllung des Vertrages gedrängt, und nachdem das Kreisbauamt in Wandsbek einen neuen Plan ausgearbeitet hatte, konnte das Projekt erst nach 1933 zu Ende gebracht werden. Sechs große Kanäle vereinigten sich am Roten Brückenweg" zwischen der Bitte und der Kreisbahn zur Kläranlage.

 

Die dringendsten Lebensnotwendigkeiten, die eine in einem Vierteljahrhundert auf das Zehnfache angewachsene Bevölkerung erforderte, Wohnung, Elektrizität, Gas und Wasser, waren durch die öffentliche und private Bautätigkeit bis zum ersten Weltkrieg befriedigt worden. Private Initiative auf dem Gebiete des Vereinslebens übernahm es, kulturelle Bedürfnisse zu befriedigen und den Sport zu pflegen. Die zwei Sportvereine bauten eigene Turnhallen und Sportplätze, der „Verschönerungsverein v. 1900" ließ auf dem alten Schiffbeker Marktplatz, wo sich heute der Pavillon an der Straßenbahn-Endhaltestelle befindet, eine Anlage mit Baumbestand und Ruheplätzen entstehen, der „Volksbildungsverein" gründete Im Schulhaus an der Möllner Landstraße eine Volksbücherei und veranstaltete im Winter gelegentlich Unterhaltungsabende. Die Gemeinde sorgte für den Bau einer Badeanstalt, die 1903 eröffnet wurde, unser heutiges Billstedter Sommerbad, das allerdings 1927 in eine moderne Flußbadeanstalt umgebaut wurde.

Die gewaltige Veränderung vom idyllischen Ausflugsziel zum Fabrikort mit ortsansässigem Arbeiterstamm, deren Beginn wir mit dem Gründungsjahr der „Vereinigten Jutespinnerei und Weberei" 1881 ansetzen können, hatte im wesentlichen zu Beginn des ersten Weltkrieges ihren Abschluß gefunden.

Der Weg zur Großgemeinde Billstedt

 

Die Entwicklung Billstedts vom Dorf zum Vorort der Großstadt mit städtischem Charakter hatte, in großen Zügen vorwärtsschreitend, mit dem ersten Weltkrieg gewissermaßen schon ihren Abschluß gefunden. Der Aufbau, der nach dem Weltkriege einsetzte, war zum Teil nur eine Wiederholung der Vorkriegsentwicklung: Neue Fabriken wurden gebaut, für den damit verbundenen weiteren Zuzug von Arbeitern mußten wieder Wohnmöglichkeiten geschaffen werden.

Wenn soweit die neue Entwicklung der gegenwärtigen glich, gab es doch zwei grundlegende Unterschiede: Einmal war auch bei den Arbeitern der Wunsch nach dem Eigenheim mit Garten wach geworden, zum andern war man sich jetzt der Pflicht bewußt, wenn Kleinwohnungen gebaut werden mußten, auch wirklich anständige Kleinwohnungen zu bauen. Darum überließ man den Wohnungsbau nicht so schrankenlos dem privaten Unternehmertum wie vorher.

Bevor aber private und öffentliche Tatkraft wieder an Bauaufgaben herangehen konnten, hatte die Bevölkerung während des wirtschaftlichen Tiefstandes der ersten Nachkriegsjahre noch eine schwere Zeit durchzumachen. Ein Ort, der, wie der unsrige, fast nur von Arbeiterbevölkerung bewohnt war, mußte besonders unter dem Druck der nach dem Kriege einsetzenden Arbeitslosigkeit leiden, die, bis Januar 1921 ansteigend, allein in Schiffbek 726 Menschen erwerbslos machte. Besonders nach den Unruhen im Oktober 1923 verbrachten zahlreiche Familien den Winter in großem Elend; denn viele der beteiligten Arbeiter wurden von der Arbeit ausgesperrt.
In den folgenden Jahren brachte die wiederbelebte Bautätigkeit eine Besserung der Arbeitslage. Ein Anfang wurde schon im Jahre 1922 mit

den Kleingartenkolonien gemacht. Im März des genannten Jahres ging man zunächst an die Parzellenverteilung. Die ersten Kolonien entstanden auf der Koppel an der Schiffbeker Höhe;. In gleich vorbildlicher Art wurden in der Folgezeit die beiden Koppeln, die den neuen Billstedter Kirchhof am Rahlstedter Weg (heute Schiffbeker Weg) im Norden und Süden begrenzen, bebaut. Aus anfänglich z. T. nur als Sommerwohnungen angelegten Wohnlauben sind nach und nach Dauerwohnungen geworden. Auch in anderen bisher unbebauten Gegenden entstanden Eigenheime, die abseits der Hauptstraße das Bild des Ortes wieder erfreulicher gestalteten.
Es lag im Zuge einer natürlichen Entwicklung daß ein Zusammenschluß von Schiffbek mit seinen von Veränderungen weniger betroffenen Nachbargemeinden, dem Kirchdorf Steinbek und dem Bauerndorf Ojendorf, wünschenswert wurde. 1927 wurde auf Anregung der Gemeindevertretungen der drei Ortschaften der Zusammenschluß zur Großgemeinde Billstedt vollzogen. Dem anwachsenden Schiffbek wurde durch die Nachbargemeinden wertvoller Baugrund zugeführt, Steinbek und ojendorf wurden besonders durch den Anschluß an das Schiffbeker Wasserwerk entschädigt.
Erst 10 Jahre später fand der Anschluß an die große Nachbarin, die Hansestadt Hamburg, statt. Jahrhundertelang hatte ihre Nähe immer wieder auf das Leben der Bewohner unserer Dörfer eingewirkt, Freud und Leid über sie gebracht, seit den Tagen der Belagerung Hamburgs durch die Schiffbeker Burg unter dem Dänengrafen Albrecht bis zur Zeit Davouts und der Franzosenkriege; und auch die neuzeitliche Entwicklung wäre ohne die Nähe der Großstadt wahrscheinlich anders verlaufen.
Ortsgeschichtliche Übersicht
1212: Albert von Orlamünde verleiht den Zehnten aus Schiffbek, Ohlenburg und der Niederung bei Steinbek der Marienkirche zu Hamburg.
1224: Albert von Orlamünde verleiht den Zehnten aus Steinbek dem Reinbeker Kloster.
1225: Sieg Adolfs IV. von Schauenburg über Albert von Orlamünde bei Mölln. Danach endgültige Zerstörung der Schiffbeker Burg.
1227: Schlacht bei Bornhöved und dadurch Befreiung Holsteins von dänischer Herrschaft
1239: Die  Steinbeker Kirche wird unter  das Patronat des  Reinbeker Klosters gestellt.
1256: Die Mühle in Schleems wird an einen Hamburger Bürger verkauft.
1276: Zwei Mühlen in Schleems sollen einem Hamburger Bürger Korn liefern.
1321: Das Kloster in Reinbek kauft den Ort Steinbek.
1351: Johannes Stemwarde verleiht dem Kloster Reinbek eine Rente aus der Wassermühle in Steinbek.
1388: Johann von Hummersbüttel schenkt dem Kloster in Reinbek den Ort Schiffbek.
1529: Das Kloster Reinbek wird im Zuge der Reformation aufgelöst.
1627: Die kaiserlichen Heere besetzen während des 30jährigen Krieges Steinbek, Schiffbek und Ojendorf.
1629: Die Pest wütet, besonders im Kirchdorf Steinbek.
1643: Die Schweden quartieren sich im Amt Reinbek ein.

1646: Erster Brand der Steinbeker Kirche.

1657: Die Dänen quartieren sich in den Dörfern des Amtes Reinbek ein. 1712: Hollos „Schiffbeker Posthorn" erscheint zweimal wöchentlich. 1713: Die Russen fallen in Holstein ein. 1714: Die Pest fordert wieder Opfer.

1731: Holle vermacht in seinem Testament sein Wohnhaus und seine Koppeln der Gemeinde Schiffbek zur Einrichtung einer Schule.
1739: Christian Fritzsch, wohnhaft in Schiffbek, wird „Großfürstlich Schleswig-Holsteinischer Hofkupferstecher".
1773: Durch Verzicht des Herzogs von Holstein werden die Holstein-Gottorpischen Länder unter Dänemarks Herrschaft gestellt
1777- Im Zuge der dänischen Agrarreform werden die Dörfer Schiffbek,
1781: Steinbek, Schlemms und Öjendorf eingekoppelt.

1800: Offizier und Schriftsteller Johann Wilhelm von Archenholz nimmt seinen Wohnsitz in Öjendorf.
1813: Davoust besetzt Hamburg. Gefecht bei Rahlstedt und Wandsbek.
1841-45: Bergs Tiergarten beim „Letzten Heller".
1866: Erste Dampferlinie auf der Bille.
1876: Die Farbholzmühle von L. G. G. Ullner entsteht.
1881: Zweiter Brand der Steinbeker Kirche.
1881: Gründung der Vereinigten Jute-Spinnerei- und Weberei.
1903: Bau des Elektrizitätswerkes.
1907: Eröffnung der Südstormarnschen Kreisbahn.
1910: Bau des Gaswerkes.
1912: Bau des Wasserwerkes.
1914: Die Straßenbahn wird bis Schiffbek weitergeführt. 1927: Schiffbek, Steinbek und Öjendorf vereinigen sich. — Gründung der Großgemeinde Billstedt.
1933: Fertigstellung der  Kanalisation.
1937: Billstedt kommt zu Hamburg.